Alfasud Turbowainer
Wem der Alfasud ti 1.5 noch nicht genug Leistung hatte, konnte sich
bei Gian Franco Mantavoni-Wainer in Corsico Ville in der Nähe von
Mailand seinen Alfasud zur waffenscheinpflichtigen Rakete aufrüsten lassen.
Mit Hilfe eines Alfa Romeo Avio Turboladers
quetschte er aus den 1.5 Litern 130 PS heraus. Mantavoni-Wainer, seines
Zeichens Alfa Romeo Händler arbeitete auch schon mal bei Autodelta.
Anfang der 80er Jahre machte er dann dem Alfasud Beine. Der Anblick dieses
Geschosses im Rückspiegel dürfte, zumindest auf kurvenreichen
Straßen, auch Porsche-Fahrern Angst gemacht haben. Ein Ölkühler
und ein zusätzlicher Lufteinlass in der Motorhaube sprechen eine deutliche Sprache... Auch die der Alfetta GTV Turbodelta ähnlichen Streifen über
den Schwellern
geben dem geübten Auge des Alfisto erste Hinweise über das,
was unter der Haube lauert und Druck macht. Die damaligen Tester schwärmten von der Homogenität des Fahrzeuges
und von der Freude, die die 130 Cavalli zu erzeugen wussten. Besonders weil das
Alfasud Fahrwerk keine Probleme mit der vielen Leistung hatte. (Da sieht man mal
wieder den Unterschied zwischen deutschen Autozeitungen und unparteiischen aus
dem Ausland: ams hatte schon bei den 106 PS des Alfasud Sprint mit Gleich 1.5
Liter Motor den Eindruck, dass Fahrwerk käme mit der Leistung nicht mehr
zurecht...) Nach jedem Gangwechsel jubelte die Nadel des Drehzahlmessers erneut
gen 7000 U/min. Die Straßenlage brachte die Tester ebenso zum Träumen wie die
guten (Serien-) Bremsen. Zu den technischen Fakten. Der von Alfa Romeo Avio gelieferte
"Druckmacher" bringt natürlich nicht nur Leistung (130 PS bei 6000
U/min) sondern auch ein gewaltiges Drehmoment von 19,3 mkg bei 4000 U/min.
Das macht bei 915 kg Masse (20 kg mehr als das Serienpendant) ein Leistungsgewicht
von 7,03 PS (9,4 beim Serien ti) pro Kilogramm oder anders ausgedrückt
eine Literleistung von 87 PS pro Liter anstelle der 64 des Saugers. Höchstgeschwindigkeit
201 km/h (bei 6750 U/min). Da kann der normale ti mit seinen 181 km/h nur
schwer mithalten. Von 0 auf 100 km/h ging es in 9 Sekunden anstelle der
11,5 Sekunden beim Serien-ti. Ein Kilometer aus dem Stand war nach 29,4
Sekunden erreicht. 3.3 Sekunden weniger als der normale ti. Durch das
gestiegene Drehmoment konnte die Elastizität erheblich verbessert werden. Nachdem
der Turbo erst mal Ladedruck aufgebaut hatte, wurde man im fünften
Gang in 11,5 Sekunden von 90 km/h auf 140 km/h katapultiert (20,6 Sekunden).
Damit die ganze Kraft auch auf die Straße ankam, spendierte Wainer
die größten Reifen, die ohne extra Kotflügelverbreiterungen
in die Radhäuser gehen. Zusammen mit den schönen Alufelgen machen
die 185/60 R 14 Räder einen guten (Ab-) Eindruck. Für 75000 französische
Francs konnte man 1982 einen derart leistungsgesteigerten Alfasud ti sein eigen
nennen. Immerhin 23000 Francs mehr als ein Alfasud ti 1.5 beim Alfa-Händler
kostete. In Frankreich gibt es nach Aussage von Laurent, der mir die Bilder
freundlicherweise zur Verfügung stellte aber wahrscheinlich kein einziges
Exemplar. Unter der Motorhaube waren einige Änderungen erforderlich. Der
Luftfilter musste seinen Platz für den neuen Ansaug räumen und wurde auf dem
linken Stehblech befestigt. Das ganze macht einen relativ aufgeräumten Eindruck.
Besonders,
im Vergleich mit der Schlangengrube von Motorraum der Turbo-Alfasuds der britischen Firma
Bell & Colvill. Ein Boxermotor macht dem Tuner das Verstauen
des Turbo nicht besonders einfach. Beim Turbowainer wurde der Lader hinter den
Zylinderkopf auf der Fahrerseite gelegt. Die beiden Zylinder auf der
Beifahrerseite leiten ihre Abgase über einen speziellen Krümmer (genau zwischen
Motorölwanne und Getriebeölwanne) auf die andere Seite der Kurbelwelle. Bei
dieser Konstruktion besteht allerdings die Gefahr, dass der Lader bei einem eventuellen bösen
Aufsetzer abreißt. Ein Ölkühler kühlt das Motoröl auf vernünftige
Temperaturen. Franco Mantavoni-Wainer bot den Turbokit auch für den Alfasud
Sprint an . Für die dritte Serie des Alfasud Ti gab es diesen Leistungskit
ebenfalls. Der Ölkühler verschwand aber hinter das Frontblech.
Bedingt durch die lange Übersetzung verschlechterten sich die
Beschleunigungswerte.
Die Serie drei brauchte 0,2 Sekunden länger um auf 100 km/h zu beschleunigen,
musste sich mit 30,12 Sekunden für den stehenden Kilometer zufrieden geben
und brauchte für den Zwischenspurt von 90 km/h auf 140 km/h durch
die lange Übersetzung mit 21,6 Sekunden erheblich länger. Die
Höchstgeschwindigkeit wurde mit 191 km/h (bei 5500 U/min) gemessen. Sicherlich
hat die lange Getriebeübersetzung aber den Kraftstoffverbrauch reduziert. Über
Verbrauchswerte des kurz übersetzten Alfasud ti Turbowainer ist nichts
bekannt... Sollten tatsächlich welche überlebt
haben? Oder haben Sie Fotos, Zeitungsartikel oder sogar einen Prospekt,
den Sie mir scannen und als email zuschicken können? Wenn Sie irgendetwas
über diesen Über-Alfasud wissen, bitte schreiben Sie an
alfasud@gmx.de!
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Letztes Update: 25. Januar 2001
Created: 23. August 2000
© Layout und Text by Tim Rauen. Die auf dieser Seite gezeigten
Fotos wurden mir von Laurent aus Frankreich zur Verfügung gestellt
und enstammen dem Magazin Auto-hebdo (N°332). |