Indrajas und Linas Sprint 1.5 Grand Prix
 

Alfasuds und Sprints findet man in den entlegensten Teilen der Welt: Süd Afrika, Süd Amerika und in Australien. Hätten Sie aber  gedacht, dass es einen Sprint sogar nach Litauen verschlagen hat? Der auf dieser Seite gezeigte Sprint wurde im Jahr 1984 als Neuwagen in Deutschland ausgeliefert. Es ist ein Sprint 1.5 Grand Prix - also das nur auf dem deutschen Markt erhältliche, von Alfa Romeo Deutschland (um-) gebaute Sondermodell mit kleinen Kotflügelverbreiterungen und komplett in Wagenfarbe lackierten

Linas und Indrajas Sprint.

Kunststoffanbauteilen. Anfang der Neunziger muss dieser Sprint nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs in den Osten gelangt sein. Zu dieser Zeit boomte der Handel mit gebrauchten Autos, die in Deutschland keiner mehr haben mochte. Unzählige LKW-Ladungen gingen nach Russland und PolenLinas und Indrajas Sprint., wo die Leute endlich etwas anderes als einen Lada oder Wolga fahren wollten...

 

Der Sprint wurde von einer jungen Frau in Litauen gekauft. Nachdem sie mit dem Wagen ein Jahr lang gefahren war, waren einige Reparaturen fällig und sie entschied sich den Sprint zu verkaufen. Doch so einfach ließ sich der rostige Sprint auch in Litauen nicht verkaufen. So stand das Auto für über ein Jahr lang draußen ohne, dass sich jemand für ihn interessierte. Um den Sprint attraktiver zu machen, entschied sich die Besitzerin dann den Wagen neu lackieren zu lassen.

Damit fing die Odyssee des Sprint erst richtig an: die selbsternannten "Lackierermeister", die den Wagen lackierten, verloren dabei eine große Zahl der Innenraum-Teile. Bis der Sprint letztendlich "lackiert" war, verging ein weiteres Jahr. Nur wirklich schöner war der Wagen dadurch nicht geworden. Die Besitzerin versuchte Ein Blick in den Motorraum.den Sprint nun endlich zu verkaufen. Der neue Lack hielt aber nicht sehr lang und war nach kurzer Zeit ermattet. Die Innenausstattung hatte nach der langen Zeit, die sie der Sonne ausgesetzt war stark gelitten.

 

Linas und seine Frau Indraja kauften den Sprint dann in 1997. Sie fuhren in nur für ein Jahr bis den Sprint ein Motorschaden ereilte. Glücklicherweise entschieden sie den Sprint aufzuheben. Sie stellten ihn vorerst in eine Garage und machten sich auf die Suche nach einem Ersatzmotor. Während sie suchten, entschieden sie sich dem Sprint nicht nur einen neuen Motor einzubauen, sondern gleich das ganze Auto zu restaurieren. "Das Auto war furchtbar verrostet. Da es aber erst kurz bevor wir es kauften neu lackiert wurde, waren alle Rostschäden unter einer dicken Schicht Lack versteckt. Nach dem ersten Winter kam der Rost wieder zum Vorschein.", erzählt Linas. Viele Teile der Karosserie mussten nachgefertigt werden. In Litauen gibt es aber immer noch fähige Karosseriebauer, die wissen, wie es geht. Und natürlich ist das Lohnniveau wesentlich niedriger als in West Europa.

Den Innenraum hatte es übel mitgenommen. Das Armaturenbrett war durch eine Art Kleber beschädigt worden. Linas vermutet, dass die Schäden Der Innenraum des Sprint Grand Prix.aber auch durch die Trocknung der Lackierung entstanden seinen könnten. Ersatz war nicht aufzutreiben und so bezogen Linas und Indraja das Armaturenbrett mit Kunstleder. Die Sitzbezüge mussten ebenfalls durch Selbstangefertigte ersetzt werden weil die originalen durch Brandlöcher, Öl und Schmutz stark beschädigt waren. Der Schaumstoffkern des Fahrersitzes war zudem stark beschädigt. Vor etwa fünf bis zehn Jahren gab es mehrere Sprints in Litauen. Die meisten wurden verheizt oder verunfallten. Die Besitzer verkauften dann die noch ganzen Teile. Die Sitze waren immer die ersten Teile, die weggingen! Und Linas und Indraja verpassten sie jedes mal.

 

In der Zwischenzeit fand sich auch ein Ersatz für den 1.5 Liter Boxer. Linas konnte einen 1.7 IE Motor, der aus einem Alfa 33 stammte, kaufen. Er passte die Vergaser an die Zylinderköpfe des 1.7 IE Motors an und montierte sie. Die Einspritzanlage des 1.7 IE Motors zu montieren hätte noch mehr Aufwand verursacht, da Linas dann einen neuen Kabelbaum und alle Sensoren des Alfa 33 1.7 IE inklusive Steuergerät hätte nachrüsten müssen.

 

Nach zwei Jahren voller Arbeit war das Auto dann endlich fertig. Fast alle benötigten Ersatzteile konnte Linas bei örtlichen Alfa Romeo Ersatzeilhändlern kaufen. Für Teile, die sie nicht kaufen konnten, wurden Ersatzteile anderer Autos auf den Sprint angepasst.

 

In Litauen gibt es einen kleinen aber sehr aktiven Alfa Romeo Club. Linas ist der Präsident dieses Clubs. Einige Clubmitglieder handeln beruflich mit Alfa Romeo Ersatzteilen. Unter www.alfaklubas.lt finden Sie die Website des Clubs.

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Letztes Update: 27. Mai 2004      Created: 25 April 2004

© Layout und Text by Tim Rauen. Fotos by Indraja und Linas.