Peters schönster Alfasud Ti
By Peter Dyrelund
Peter Dyrelund aus Dänemark hat bisher fünf Alfasuds gehabt,
drei davon hat er noch. Neben einem weißen Alfasud
Ti 1.5 mit Sprintex Kompressor, den er für Clubrennen benutzt
und einem roten Alfasud 1.2 ti Serie I in Originalzustand besitzt er den
hier vorgestellten Ti.
Schon mit viel Erfahrung durch den Aufbau des weißen Alfasuds gesegnet,
wurde dieser zu Peters Meisterstück bei dem alle konstruktionsbedingten
Schwächen des Alfasud ausgemerzt wurden. Dieser ist nun so gut - oder
besser als - ein Neuer direkt aus der Fabrik.
Es war nicht die Absicht
das Auto original zu halten (dafür hat Peter den Alfasud 1.2 ti).
Nicht weit entfernt von Düsseldorf fand Peter 1995 einen metallic
grauen Alfasud 1.5 Ti QV. Das Auto war vorher im Alfaclub Magazin zum Verkauf
angeboten worden. Mit 100.000 Km auf dem
Tacho, ohne Reparaturen und fast ohne Rost war der Ti eine gute Basis
für einen perfekten Alfasud. Das Auto wurde total zerlegt, sandgestrahlt
und in den bekannt schwachen Stellen (z.B. die vorderen Längsträger)
verstärkt. Anschließend wurde es verzinkt und in einem frischen
metallic Grün lackiert.
Fahrwerk:
Peter tauschte die Serienteile gegen kürzere Eibach Federn und
gelbe Koni-Stoßdämpfer, die individuell in der Zugstufe justiert werden können. Alle Gummi Buchsen wurden gegen
neue Teile getauscht - allerdings gegen die guten alten massiven anstelle
der neueren mit halbmondförmigen Löchern. Der vordere Stabilisator
wurde gegen den dickeren aus dem Alfasud Serie I / II ausgetauscht. Hinten
wurde zusätzlich ein Stabilisator montiert, der eine Nachfertigung
des Stabilisators ist, der im Autodelta-Kit der Trofeo Alfasud verwendet
wurde. Die Stabilisatoren aus der Nachfertigungsaktion sind allerdings 20 mm dick und damit 2 mm dicker als das Original.
Schlussendlich mussten auch neue Räder her. Kugelpolierte BBS RC 7,5x16"
Felgen mit 195/45ZR16 Goodyear Eagle F1 Reifen sorgen jetzt zusammen mit
dem modifizierten Fahrwerk für eine bomben Straßenlage. Die
Felgen sollten als Spezialanfertigung mit 4x98 mm, ET 35 mm und 58,5 mm
Mittelbohrung extra angefertigt
werden. Leider musste Peter dann wegen Lieferschwierigkeiten auf das gleiche
Modell mit 4x100mm zurückgreifen. Diese Felgen wurden nun mit Verschiebungsbolzen
(erhältlich bei BBS und OZ) montiert. Hinten wurden extra angefertigte 7 mm
dicke Distanzstücke mit Mittelzentrierung montiert, so dass die Räder nicht die
nach hinten reichenden Aufhängungsteile berühren können. Das neue Fahrwerk
verbessert die Fahreigenschaften entscheidend.
Bremsen:
Alle Teile der Bremsanlage wurden erneuert. Hinten wurden so zum Beispiel
neue
Sättel,
neue Scheiben und ein neuer Bremskraftregler eingebaut. An der Vorderachse
kommen nun innenbelüftete Scheiben mit speziell angefertigten Bremssätteln (mit
Distanzstücken um genug Platz für die dickeren Scheiben zu haben) zum Einsatz.
Die Scheiben kommen aus einem Mazda B2200, wurden aber modifiziert und mit
Adaptern montiert. Die Bremsleitungen sind metallbeschichtet, die starren
Leitungen aus Kupfer. Peter verwendet Mintex 1144 Bremsbeläge für beide Achsen,
die einen guten Kompromiss zwischen kaltem und warmem Bremsvermögen darstellen.
Als Bremsflüssigkeit wird DOT5.1 verwendet. Der Bremssystem ist jetzt gut
geeignet für Clubrennen auf Rennstrecken.
Antrieb: Die beste Variante des
Boxermotor ist - so meinen die meisten Enthusiasten - der 1.7 Liter mit zwei
Doppelvergasern. Ein solcher Motor mit geringer Laufleistung wurde zuerst
montiert.
Seit
Anfang 2005 hat Peter diesen Motor gegen einen noch stärkeren Motor ersetzt. Er
ist sozusagen das Non-Plus-Ultra für den Straßenbetrieb. Peter modifizierte
einen 1.7 Liter 8V Boxermotor mit 90 mm JE Schmiedekolben, die die
Kompression auf 11,5:1 erhöhen. Der Hubraum wuchs durch die neuen Kolben auf
1832 cm3. Für einen besseren Gasdurchsatz wurden größere 41,5 mm
Einlassventile montiert. Die originalen Nockenwellen wurden gegen Colombo &
Bariani 280S Nockenwellen getauscht, die Nockenwellenräder sind zu Gunsten einer
genaueren Einstellbarkeit der Steuerzeiten justierbar. In den Zylinderköpfen der
ersten gebauten 1.7 Liter Boxermotoren wurden noch keine Hydrostößel verwendet.
Genau solche Zylinderköpfe wurden montiert.
Die Form der Brennräume wurde optimiert und die Einlässe wurden erweitert,
poliert und feingetunt. Die auf dem Bild rechts zu sehenden polierten
Ventildeckel mit "Alfa Sport" Schrift sind Einzelanfertigungen. Die normalerweise auf dem
1.7 Liter Boxer verbauten 40er Weber oder Dell'Orto Vergaser wichen 40 mm Jenvey
Einspritz-Einzeldrosselklappen mit Weber Marelli 330 ml 4-Loch Einspritzdüsen. Ein lernfähiges EFI Technology Euro96 Motorsteuersystem steuert
Einspritzung und Zündung. EFI ermöglicht eine sequenzielle Einspritzung,
kann
bei Erreichen der Höchstdrehzahl ein Warnsignal geben und hat unter anderem eine
Schlupfreglungsfunktion. Das Setup dieser Motorelektronik wird über ein Laptop
vorgenommen. Das EFI System kommt aus dem Rennsport und wird zum Beispiel auch
in der DTM und der ETCC verwendet. Sein Steuergerät wurde vor Wasser geschützt im Serviceabteil hinter
dem linken Federbeindom montiert. Das "alte" Zündsystem mit Kennfeldzündung,
Verteiler und einer Zündspule wurde gegen eine moderne Bosch Vierfach-Zündspule
ersetzt. Die Motorelektronik erkennt den Arbeitstakt der einzelnen Zylinder über
einen in den modifizierten Zündverteiler integrierten Hallgeber und einen
weiteren Hallgeber am Schwungrad. Die genaue Leistung des Motors wurde noch
nicht ermittelt soll aber bei 150 PS bei 6.500 U/min und 180 Nm bei 5.000 U/min
liegen.
Die Schwungscheibe ist ein Eigenbau aus Flugzeugaluminium. Sie besteht
aus dem Anlasserkranz des originalen Schwungrads, dem eigentlichen
Aluminiumschwungrad und einer dünnen Reibplatte aus hochfestem Stahl, auf die
die Reibscheibe der Kupplung greift. Das Gewicht der Schwungscheibe sinkt durch
diesen aufwendigen Umbau von 7,3 kg auf 4 kg. Die umfangreichen Modifikationen fallen auf den ersten
Blick kaum auf, wer nicht genau hinschaut, bleibt in dem Glauben eine normalen
Zwei-Doppelvergaser-Motor vor sich zu haben. Das Getriebe musste -
wie bei vielen starken Alfasuds - ein 33 16V spenden. Ein Quaife Torsen Sperrdifferential wurde ebenfalls montiert. Die
innenliegenden Bremsscheiben (der 33 hat sie ja wie ein "normales Auto"
außenliegend) erforderten weitere Modifikationen am Getriebe. Beim 33 ist zudem
der Tacho nicht mehr mechanisch sondern elektronisch angesteuert. Deswegen
musste Peter das Getriebe für die Aufnahme einer Tachowelle ändern. Das ganzes
Antriebspaket wurde mit neuen Antriebswellen, einer 16V Kupplung, einem neuen
Kupplungsnehmerzylinder, neuen Motorlagern, und Benzinleitungen eingebaut. Auch
Zahnriemen, Zahnriemenspanner, Anlasser, Lichtmaschine und Batterie sind
natürlich neu. Ein K&N Luftfilter sorgt für mehr Luftdurchsatz und guten Klang. Auch
die serienmäßige Auspuffanlage veränderte Peter. Die serienmäßige Auspuffanlage
wich einer 60 mm durchmessenden Anlage mit Iresa Fächerkrümmer. Einen
weiteren kleinen Gewichtsvorteil bringt die sehr kompakte amerikanische
SBS Batterie. Karosserie:
Die Farbe stammt aus dem Regal des Volkswagen-Konzerns. Auch die
Kotflügelverbreiterungen und der Frontspoiler wurden grün lackiert und mit
Zender Gummi montiert um ein besseres Finish zu geben. Die Vorderseite der
hinteren Kotflügelverbreiterungen erhielt eine Beschichtung mit durchsichtiger
3M Schutzfolie. An dieser Stelle kommt es ansonsten zu Steinschlag. Die
schwarzen Seitenschutzleisten sind die guten alten mit "Alfasud" Schriftzug.
Alle Scheinwerfer und Leuchten rundum sind Neuteile. Es wurde eine neue
Windschutzscheibe eingesetzt. Die Scheibendichtungen vorne
und hinten wurden ebenfalls gegen Neuteile getauscht. Das Auto wurde
mit Dinitrol 1000 Hohlraumversiegelung während und nach dem Zusammenbau
versehen und anschließend mit ML4 Unterbodenschutz geschützt. Um der
altbekannten Rostgefahr in den vorderen Radhäusern vorzubeugen, bekam Peters
Alfasud Ti die Innenkotflügel aus Kunststoff aus dem Alfa 33. Hinten wurden Kunststoff-Innenkotflügel
von einem Opel Kadett D angepasst. Fast alle Teile (Stoßstangen, die vorderen Kotflügel,
Türen, Front- und Heckklappe, Tank, usw.) wurden mit rostfreien Bolzen, Schrauben
und Muttern montiert.
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Bilder vom Aufbau |
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Beim Sandstrahlen im
Freien... |
Die Karosse ist
komplett verzinkt und an den Kanten
gefüllert und wartet
auf den Lackierer. |
Der Vorderwagen nach
dem Lackieren. Der Innenraum wurde schwarz lackiert. |
Innenraum:
Normalerweise hat der Alfasud Ti QV roten Teppich und schwarze Sitze
mit einem roten "Ti" Buchstaben- Muster. Peter hat seinen
Innenraum aber
komplett in schwarz gestaltet. Recaro "Sport" Sitze mit Öffnungen
für Hosenträgergurte (Spezialanfertigung) sorgen für guten
Seitenhalt. Die Sitzhöhe kann elektrisch eingestellt werden. Da Peter
die 2 Meter-Marke nur knapp verfehlt, lässt sich auch die Sitzkissenlänge
verstellen (bei langen Beinen eine Wohltat). Die Recaros glänzen zudem
mit einer pneumatisch verstellbaren Lordosenstütze. Anstelle von handelsüblichen
Konsolen verwendete Peter einfach rostfreie Flacheisen. Dadurch ließ
sich der ganze Sitz einen Zentimeter weiter zum Mitteltunnel hin positionieren.
Damit wird die Sitzposition verbessert, weil Lenkrad und Pedale ohnehin
ein bisschen nach innen versetzt sind. Die hintere Sitzbank wurde
mit Recaro-Stoff bezogen und der Dachhimmel ist mit weichem schwarzem Stoff
bezogen. Der Bodenteppich ist nun schwarz. Fußmatten von Justsuds mit Alfasud Schriftzug schützen
den Teppich. Auf der Rückbank montierte Peter zwei automatische Dreipunktgurte
aus einem Alfa 33. Das Lenkrad ist ein Momo Champion mit Raulederbezug oben.
Die Lenkradnabe kommt von der Firma Trittschler, die Naben für fast
alle Alfas liefern kann. Das Lenkrad ist damit ein bisschen
näher
an den Fahrer gerückt, was die Sitzposition verbessert. Man muss nun
die Arme nicht mehr durchstrecken. Die Musikanlage besteht aus einem Sony RDS Radio mit
10 CD Wechsler und vier Pioneer Lautsprechern. Eine elektronische Antenne
wurde hinter dem Innenspiegel montiert. Verschleißteile wie Schaltknauf oder Pedalgummis wurden ebenfalls gegen Neuteile ausgetauscht.
Peters größter Wunsch - einen "nagelneuen" Alfasud fast 20 Jahre
nach Produktionsende zu bekommen - wurde erfüllt. Nebenbei wurde das
Auto noch mit vielen Verbesserungen versehen. Die Haltbarkeit (Korrosionsschutz)
wurde verbessert, die Fahrleistungen erhöht, die Fahreigenschaften
sind besser. Das Auto "kommuniziert" mit dem Fahrer so wie es kein modernes
Auto kann. Die Fahrerumgebung und Sitzposition wurden - vor allem für
große Menschen entscheidend verbessert. Durch die Lackierung von vormals
schwarzen Kunststoffteilen (Stoßstangen usw.) wurde das Aussehen moderner. Peter
liebt es den Ti auf kleinen Landstraßen schnell zu fahren. Hier kommen die
Vorteile des Autos voll zur Geltung.
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Letztes Update: 26. Februar 2005
Created: 10. April 2002
© Layout by Tim Rauen. Fotos und Text by Peter Dyrelund. |