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Alfasuds im Museo Storico Alfa Romeo
Das Museo Storico Alfa Romeo, Alfa
Romeos Werksmuseum, befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Werks in Arese,
nord-nordwestlich vor den Toren Mailands gelegen. Arese wurde in den 60er Jahren
errichtet um das durch die stark gesteigerte Produktion zu klein gewordene Werk
Portello im Herzen

Mailands zu entlasten.
Erste hier produzierte Baureihe war die Serie 105 mit Giulia,
Giulia Sprint GT (Bertone) und 1750 und 2000 Berlina. Später folgte die Baureihe
116 mit Alfetta, Alfetta GT/GTV, Giulietta und der nahen verwandten Alfa 6 sowie Alfa 90 und 75 und Alfa 164.
Mittlerweile ist das Werk
stillgelegt. Die letzten hier produzierten Alfa Romeo waren der Spider und die
GTV der Baureihe 916. Auch der mittlerweile eingestellte, klassische Alfa-V6
wurde hier hergestellt.
Lediglich
die Verwaltung der Marke Alfa Romeo und das Centro Documentazione Storico (Alfa
Romeos Werksarchiv) sind noch besetzt. Von einst über 20.000 Mitarbeitern in
Produktion und Verwaltung sind noch etwa 800 in der Verwaltung übrig geblieben.
Offensichtlich droht Arese das gleiche Schicksal wie Portello, nämlich der
Abriss.
In dem noch vom berühmten Dottore
Orazio Satta Puliga, dem Konstrukteur der Giulia, angeregten und gebauten Museum
wird vom 1906 gebauten Darracq, dem Urvater aller Alfa Romeo, bis zur GTV 6 aus
den 80er Jahren ein Großteil der Produktion der Mailänder Traditionsmarke
gezeigt. Darunter findet man auch einen Alfasud und die Studie
Alfasud Caimano. Als das Museum Anfang der 70er Jahre
eröffnet wurde, war es eines der besten und umfangreichsten Werksmuseen seiner
Zeit. Mittlerweile haben anderer Hersteller mehr zu bieten. Leider wurde seit
der Eröffnung am Museums-Komplex nichts mehr verändert, das Museum platzt schon
seit längerem aus allen Nähten und bedürfte dringend einer Sanierung und
Erweiterung. Eigentlich sollte auch der Sprint 6V im
Museum zu sehen sein, doch war er zur Zeit meines Besuches im Juli 2006 nicht
ausgestellt. Es ist fraglich, wie lange das Museo Storico an diesem Standort
noch existieren wird, da die Fiat Auto SpA offensichtlich keinerlei Interesse am
Fortbestand des Werkes Arese hat. Für den Bau einer Straße hat man sogar schon
Teile der alten Werkshallen abgerissen. Wie man seit längerem hört, soll in der
Nähe Areses ein neues Museum gebaut werden.
Alfa Romeos Serienwagen bis etwa Mitte der 70er Jahre werden
im Museum fast komplett gezeigt. Es mangelt weder an einem 2600 SZ noch an einer
Giulia Ti Super oder eine 2600 Berlina de Luxe. Auch die
Rennsportgeschichte
und die Prototypen und Studien sind mit vielen Fahrzeugen dokumentiert. Leider
sind die jüngeren Modelle so gut wie gar nicht vertreten. Neben dem Alfasud
finden sich noch eine Alfetta der ersten Serie, ein Montreal und die schon
erwähnte GTV 6. Je jünger die Exponate sind, desto schlechter erhalten sind sie
in den meisten Fällen. Offensichtlich wurden hier keine Neuwagen vom Band ins
Museum geschoben, sondern Gebrauchtwagen optisch wieder aufgearbeitet. Ebenfalls
Platz fand sich für zwei 155 V6 TI DTM-Tourenwagen, die Nicola Larini einst
pilotierte und einen 156 STW-Tourenwagen - das jüngste Dauer-Exponat.
Offensichtlich besitzt Alfa Romeo aber noch viel mehr Fahrzeuge, die aus Platzmangel nicht gezeigt werden
können. Der Auftritt des Museo auf der Techno Classica im April 2006 beweist es,
zeigte man dort doch unter anderem einen SZ, einen 1750 GTV und eine Alfetta GTV
2000, die im Museum nicht zu sehen sind. Welche Schätze mögen in den Magazinen
des Museo Storico wohl noch schlummern?
Wie schon erwähnt stehen auch zwei Fahrzeuge mit Boxermotor
im
Museum.
Der Alfasud entstammt der ersten Serie und ist vermutlich 1973 gebaut worden.
So, wie das Auto aussieht, wurde es für die Ausstellung im Museum optisch etwas
aufgepäppelt und aussen neu lackiert. Bei genauerem Betrachten fällt auf, dass
die Auspuffanlage total verrostet ist, der Kühler undicht und entweder
Hauptbremszylinder oder Kupplungsgeberzylinder undicht sind und Bremsflüssigkeit
den Fahrerfußraum verunstaltet. Das Armaturenbrett ist im oberen Bereich
mehrfach gerissen. Sicherlich kein Ruhmesblatt. Vor dem Alfasud befindet sich
ein auf einem Bock montierter Boxermotor mit Getriebe. Er ist sicherlich neuer
als der ausgestellte Alfasud, da er schon Zahnriemenabdeckungen hat. Der Motor
ist einem optisch sehr guten Zustand.
Zweites Boxer-getriebens Exponat ist der Alfasud Caimano.
Leider ist er zum Schutz vor allzu neugierigen Museums-Besuchern hinter einer
Absperrung geparkt und lässt sich so nicht genauer unter die Lupe nehmen.
Neben den ausgestellten Autos befindet sich auf einer Empore
des Museums auch eine Sammlung von Alfa Romeo Modellautos in allen erdenklichen
Maßstäben. Darunter auch viele Alfasuds.
Das Museo Storico ist Montags bis Freitag von 9:00 bis 12:30
Uhr und von 14:00 bis 16:30 geöffnet. Im August ist das Museum wie fast ganz
Italien geschlossen. Für Gruppen ab zehn Personen kann man eine kostenlose
Führung buchen. Mit dem Auto erreicht man das Museo Storico über
die
Autobahn A8 / A9 Milano-Laghi oder über die "Varesina", die Staatsstraße 233
Milano-Varese. Am besten folgen Sie aus Norden kommend auf der Autobahn der Beschilderung Arese,
die Sie kurz vor der Auffahrt zur Tangenziale Ouest von der Autobahn ableitet.
Ein Navigationssystem kann beim Finden des Museums sehr hilfreich sein - mit der
Beschilderung nimmt man es in Italien nicht so genau. Die Einfahrt zum Museo
Storico ist gleichzeitig die unscheinbare Werkseinfahrt des ehemaligen Arese-Werkes. Sie
befindet sich in der Viale Alfa Romeo 233 etwas ausserhalb des Ortes Arese. Dem
Pförtner teilt man seinen Wunsch mit, das Museo Storico besuchen zu wollen. Man
wird dann auf das Werksgelände durchgelassen und kann nach cirka 250 Metern auf
dem Mitarbeiter-Parkplatz sein Auto abstellen und wird an einem links gelegenen
Nebeneingang bei einem weiteren Pförtner nach Abgabe des Personalausweises in
den vom Werksschutz gesicherten Bereich zum Museum durchgelassen. Ausser der
Putzfrau wird man wahrscheinlich keinen einzigen Alfa Romeo Mitarbeiter im
Museum finden. Ein Museums-Führer liegt zur kostenlosen Mitnahme aus. Auf dessen
letzten Seite sind wichtige Jubiläen der nahen Vergangenheit und Zukunft
aufgeführt. Das der Alfa 164 nächstes Jahr 20 Jahre alt wird, kann man dort
lesen. Dass 2006 aber der Alfasud Sprint seinen 30. Geburtstag feierte oder der
Alfasud im Jahr 2002 ebenfalls 30 Jahre alt wurde, ist nicht vermerkt. Ganz
offensichtlich sind die ersten Produkte aus Pomigliano d'Arco in Arese
immer noch ein rotes Tuch für die Herren Museumsleiter. Schade.
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Letztes Update: 6. August 2006
Created: 6. August 2006
© Layout, Fotos und Text by Tim Rauen. |