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Martins Alfasud Sprint Serie I
Der
Alfasud Sprint der ersten Serie mit dem "kleinen" 1.3 Liter Motor mit 1286 cm3
und der braunen Karostoff / Kunstleder Innenausstattung ist mittlerweile unter
Puristen ein sehr gesuchtes Modell.
Nur
wenige haben überlebt. Die sehr rostanfälligen Karosserien und der zum
Überdrehen neigende, "kleine" 1.3 Liter haben viel dazu beigetragen.
Zudem waren die stärkeren Veloce Modelle natürlich für die meisten
erhaltenswerter als Modelle mit dem schwächsten Motor. Während man
mittlerweile immer öfter sehr frühe Alfasud auf Treffen bewundern kann, ist ein
Alfasud Sprint der ersten Serie noch eine absolute Rarität - und wird es
aufgrund der wesentlich kleineren Stückzahlen, in denen das Coupé im Vergleich
zur Alfasud Limousine gebaut wurde auch bleiben. Die erste Serie des Sprint
weist noch wesentlich
mehr Chromzierrat auf als die zweite Serie. So sind beispielsweise Front- und
Heckscheibe noch mit Chrom gerahmt und auch die Dachrinnen und
Fensterschachtleisten glänzen noch silbern.
Martin Kruse, seit langem Oldtimer-, Italo- und Alfa
Romeo-Fan war auf der Suche nach genau so einem Alfasud Sprint. Martin, in Alfa Romeos
nicht ganz unbedarft, hatte von der Giulietta Sprint von 1965 über Bandtacho-Giulias, Kantenhauben-GTs, einem 1750er Bertone der ersten Serie bis
hin zur Alfetta als Berlina und GT und selbst einer perfekten Nuova Giulietta
fast jedes Modell mal in seinem Fundus. Eigentlich alle diese Alfa waren aus
Italien importiert, teils von ihm persönlich oder vom Vorbesitzer. In den frühen
80ern fuhr Michael eine Zeit lang einen Alfasud, der ihm mir zwar "unterm
Hintern weggerostet war", an den er aber nette Erinnerungen bezüglich
Straßenlage und Fahrleistungen hatte. Nur einen frühen Sprint hatte er noch nie
gesehen, auch nicht auf Treffen wie am Oldtimer Grand Prix am Nürburgring oder
auf der
Techno Classica in Essen. "Sowas mußte ich also irgendwie haben... (der uralte
Jäger- und Sammler-Instinkt vermutlich)!" Im Frühjahr 2004 sah Martin dann einen
frühen Sprint auf ebay Italia. Er stand in Neapel. Zumindest auf den Fotos sah
es nach einem tollem, kompletten Originalzustand aus. Der Kontakt mit dem
Anbieter
ergab nach ein wenig Verhandlungsbereitschaft seinerseits einen viel zu hohen
Preis, den Martin aber akzeptierte. In diesem Fall bestimmt ganz eindeutig die
große Nachfage nach einem kleinen Angeot den Preis... Nach Faxübermittlung der Papiere trug das
örtliche Verkehrsamt den Sprint in Martins 07er-Nummer ein (ja, es gab auch nette
Behörden-Mitarbeiter, die dies ohne Fahrzeugvorführung gemacht haben - heute
sicher undenkbar!). Martin erwarb ein One-Way-Ticket bei Hapag-Fly und ab ging's
nach Neapel mit Werkzeugtasche und rotem Kennzeichen im Gepäck.
"Um 22 Uhr, es war noch immer warm, traf ich den
Verkäufer auf dem Parkplatz und begutachtete mittels Taschenlampe meine "rote
Mauritius", so Martin. Wie nicht anders zu erwarten, der Wagen entsprach bei
weitem nicht den blumigen Anpreisungen des Verkäufers. Aber so ist das nun mal
meistens. Der Sprint war bereits teilweise nachlackiert, schrottreif bereift und
ganz allgemein verbraucht und runter geritten. Trotzdem, die originalen
Cromodoras waren dran, sogar 5-fach vorhanden. Den weiten
Weg umsonst macht man ungern, "also Euros übergeben, Schilder dran, und ab auf
die Autostrada Richtung Hamburg, schlappe 2000 Straßenkilometer standen mir
bevor...", erinnert sich Martin. Die schlechten Reifen machten kein gutes Gefühl
- "ich kann dir sagen, eines der letzten Abenteuer in unserer Zivilisation..."
Wundersamerweise erreichte Martin nach nur einem Plattfuß bei Kassel (behoben
mit Bordmitteln und dem blanken Reserverad von 1977) heil die Heimat.
Es folgte die Bestandsaufnahme mit zeitgleicher
Ernüchterung. Die Karosse war komplett ungeschweißt und zeigte bis auf perfekt
gespachtelte Radläufe nur beginnenden Kantenrost, dem schnellstens Einhalt
geboten werden musste. Wie immer stellt sich zu diesem Zeitpunkt die
ganz-oder-gar-nicht-Frage. Martin beantwortete sie
mit ganz - bei so einer Rarität blieb nun ja auch nichts anderes übrig. Also
wurde der Sprint komplett zerlegt, alles in kleine Plastiktütchen gefüllt
(dieses mal mit Beschriftung - man lernt ja aus seinen vorherigen Projekten),
der Motor ausgebaut und die Sitze zum Sattler gebracht. Dieser erneuerte das
Kunstleder und polsterte die Sitze neu auf.
Die Technik wurde umfangreich revidiert. Bis auf Motor und Getriebe wurde
wirklich alles erneuert, was man noch neu kaufen konnte. Der Auspuff wurde ab
Hosenrohr komplett erneuert, die Bremsanlage erhielt vorn und hinten neue
Beläge, Scheiben und Schläuche; die Bremssättel wurden mit Reparatursätzen
überholt und hinten wurden die nur für Skandinavien serienmäßig montierten
Bremsscheiben-Blechabdeckungen nachgerüstet, die das Verrosten der inneren Seite der
hinteren Bremsscheibe verhindern. Die Kupplung und deren Geber- und
Nehmerzylinder wurden ebenfalls erneuert. Nach dem Tausch weiterer Kleinigkeiten
wie neuen Heckklappendämpfern, allen Verschleißteilen der Zündung, einer neuen
Lichtmaschine und natürlich auch neuen Zahnriemen und Spannrollen hatte sich
Martin einmal erfolgreich durch die Technik des süditalienischen Bellos
gearbeitet. Nachdem das Auto vom Lackierer zurück kam, wurde das Puzzle wieder
zusammen gesetzt, "klingt einfacher als gemacht" und seit Sommer 2006 ist
Michaels größte Herausforderung wieder auf der Straße.
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Letztes Update: 30. Dezember 2007
Created: 30. Dezember 2007
© Layout und Text by Tim Rauen. Fotos by Martin
Kruse. |