Berts Alfasud 1.7
              Text by Bert Kanters

Bert Kanters aus den Niederlanden besitzt und fährt Alfasuds seit er 18 Jahre alt ist. Nach einem Alfasud Ti Serie III und einem Sprint 1.5 QV kaufte er 1996 den Alfasud, der auf dieser Seite vorgestellt wird. Ausgeliefert wurde er im August 1982 als Alfa-Rot lackierter Alfasud 1.5 QO. Bert hatte diesen Sud schon herumfahren gesehen, als er noch rot lackiert war. Später hörte er, dass ihn ein junger Mann gekauft hatte, Alfasud 1.7
ihn gelb lackiert hatte und einen damals noch ziemlich neuen 1.7 Motor mit zwei Doppelvergasern aus einem Alfa 33 1.7 QV eingebaut hatte. Bert traf den Besitzer des Suds einmal während er noch mit seinem Sprint unterwegs war. Beide hielten an und der Sud-Fahrer versuchte Bert Pornos zu verkaufen, die er im Kofferraum hatte... Einige Zeit später hörte Bert, dass dieser gelbe Alfasud verunfallt war und beim örtlichen Schrotthändler stehen würde. Der Porno-verkaufende Sud-Fahrer stellte sich beim Besuch des Schrottplatzes als Sohn des Schrottplatz-Besitzers heraus. Bert wollte nur den Motor kaufen, Alfasud 1.7doch der Schrotthändler weigerte sich und wollte das Auto nur komplett verkaufen. Später brauchte Bert dringend einen Ersatz-Motor für seinen Sprint und fuhr noch einmal zum Schrottplatz. Der gelbe Sud stand nun schon etwas mehr als ein Jahr dort herum, doch der Motor sprang sofort an. Das Auto war zwischenzeitlich schon mit Nachbau-Kotflügeln und und einer neuen Motorhaube versehen worden und hatte eine Menge Ersatzteile im Kofferraum liegen. Bert hätte den Motor nun einzeln für umgerechnet 450 Euro kaufen können. Für weitere 45 Euro gab es auch das Auto im Angebot, also kauft er das ganze Auto. Bert transplantierte den 1.7 Liter Boxer in seinen Sprint und schob den Alfasud für ein weiteres Jahr in die Ecke. In der Zwischenzeit hatte Bert einen gelben 1970er Alfa Spider gekauft und der Sprint war abermals reparaturbedürftig. Bert entschied sich dem Sprint den inzwischen instand gesetzten 1.5 Liter Boxer wieder einzubauen und verkaufte den Sprint für 200 Euro, auf nimmer Wiedersehen nach Afrika vermutet er. Anstelle des Sprint sollte nun der gelbe Alfasud gerichtet werden und als Alltagsauto dienen. Das Auto war in keinen schlechtem Zustand - und das obwohl bereits Gras unter der Motorhaube wuchs. Nach den natürlich nötigen Schweißarbeiten lackierte Bert den Innenraum und den Motorraum selber. Außen wurde der Alfa im Alfa-Farbton "Verde Caraibi" lackiert, einem Metallicfarbton aus der Alfa 155 Farbpalette, den man nur selten auf dem 155 zu sehen bekam. Das war 1997. Seitdem fuhr er mit dem Alfasud im Alltag. Dummerweise kam Bert zwei Monate nach der Neulackierung beim Alfa Club Day auf der Rennstrecke in Assen Alfasud 1.7von der Ideallinie ab. "Es gab weit und breit nur Wiese aber ich schaffte es ausgerechnet einen Reifenstapel zu treffen und zerknitterte mir die Beifahrertür", erzählt Bert. Er ließ den Schaden bis August 2005 unrepariert und fuhr einfach weiter. In der Zwischenzeit verkaufte er den Spider wieder um einen 1980er Ferrari 308 und später einen Lancia Beta Montecarlo zu kaufen. Das meistbenutzte Auto blieb trotzdem der Alfasud. Nach drei Jahren Arbeit am Ferrari (mit teilweise heftigen Modifikationen) hatte Bert endlich wieder Zeit für seinen vernachlässigten Alfasud. Etwas Rost war mittlerweile zu sehen und das häufige Parken in der Stadt hatte eine große Menge kleiner Dellen in den Türen hinterlassen. Bert konnte vier perfekte Türen für 50 Euro an Land ziehen und entschied, dass es Zeit für eine weitere Neugeburt seines Alfasud sei. Als erstes kümmerte er sich um die Technik: ein neues Getriebe aus einem 84er Alfasud 1.5 TI QV, das bei ihm schon 15 Jahre herum lag und neue Zylinderköpfe wurden montiert. In den alten Köpfen hatten es die Nocken zum dritten Mal geschafft die Hydrostößel zu durchlöchern. Bert erleichterte auch die Schwungscheibe. Der originale Luftfilter wurde gegen einen K&N Sportluftfilter ersetzt und die Auspuffanlage stammt komplett vom Alfasud Ti 1.5 QV. Die Bremssättel wurden überholt, neue Bremsleitungen und -schläuche montiert und alle vier Bremsscheiben wurden gegen neue getauscht.

Auch die Radaufhängungen wurden umfangreich überarbeitet. Vorne kommen nun gelbe Konis zusammen mit gekürzten, originalen Federn in Sprint Federbeinen zum Einsatz. Alfasud 1.7Bert verlängerte die Federbeine am unteren Ende sogar um 2 cm um einen größeren Federweg zu erhalten. So werden die Federwegsbegrenzer so gut wie nie beansprucht und die Räder vorne haben besonders guten Grip. Alle Fahrwerksbuchsen wurden gegen PE Kunststoffbuchsen getauscht und der dickere Stabilisator aus dem Alfasud der Serie I ersetzte fortan den alten originalen.

Bert spendierte seinem Sud eine wirklich steife Hinterachsabstimmung mit um die Hälfte gekürzten Hinterachsfedern eines Opel Rekord Caravan und den Koni-Dämpfern eines Ferrari 308. Zudem wurden an der Hinterachse alle Gummi-Buchsen gegen Nylon-Teile getauscht. Bert hatte diese Buchsen vor zehn Jahren mal auf der Arbeit angefertigt - bis zum heutigen Tag zeigen sie keinerlei Verschleiss. Sie sind sehr steif, ohne jegliche Flexibilität und erlauben den Lenkern lediglich drehende Bewegungen. Daher wirkt der Hinterachskörper beim Einfedern eines Rades wie ein Stabilisator und verhindert effektiv zu viel Seitenneigung.

Der Alfasud steht auf BMW Alpina (Ronal) 7x15 Leichtmetallfelgen. Bert erweiterte die Mittenbohrung um 0,5 mm und bohrte die Löcher so auf, dass die 1 mm Differenz im Lochkreis dadurch ausgeglichen werden. Der Innenraum. Die Einpresstiefe der Felgen ist auf das Maß der alten BMW 3er-Serie gefertigt (ET15). Vorne passen die Felgen damit gerade so auf den Alfasud, hinten ergänzte Bert 15 mm dicke Distanzscheiben, so dass die Einpresstiefe auf 0 geht. Auf den Fotos hat der Alfasud auf der Hinterachse noch 2 x 5 mm Distanzscheiben auf jeder Seite. Sie stammen von einem alten Fiat 127. 195/45 Dunlop Reifen wurde auf die Felgen gezogen. Sie sind recht flach und fahren sich mehr wie 175er, erzählt Bert "doch das ist nur gut für die Fahrbarkeit". Bert hat auch einen Satz Revolution 7.5x14 Felgen mit 225/40 Bereifung. "Doch die machen keinen Spaß mehr, nichts zum Spielen, kein Übersteuern auf Abruf".

Die Beleuchtungsanlage vorne hat mit der originalen des Alfasud Ti nicht mehr viel gemein: Hella DE Hauptscheinwerfer aus einem 7er BMW, der Ende der 80 aktuell war, wurden montiert. Dafür musste das Stehblech im Motorraum modifiziert werden, da die Hella Scheinwerfer erheblich länger sind als die originalen Siem Leuchten. Dafür kann Bert nun bei Dunkelheit und Regen auch richtig was erkennen - die originalen Siem Halogenleuchten sind nicht gerade berühmt für gute Lichtausbeute. Bert kaufte neue Siem Fernscheinwerfer. Durch ein Missgeschick fielen beide zu Boden. Der Sturz zerstörte beide Streuscheiben. Da so schnell keine neuen greifbar waren, Griff Bert in die Teile-Kiste und klebte die Streuscheiben eines Satzes rostiger BMW Fernscheinwerfer, die er noch da hatte in die Siem Reflektoren... Die vorderen Blinker wurden gegen eine Blinker / Standlichtkombination eines Suzuki Alto getauscht.

Nachdem die Technik wieder topfit war, machte Bert sich an die Karosserie. Er passte zuerst die vier gebrauchten Türen ein. Es folgten viele Stunden Schleifen. Zu Schweißen gab es zum Glück nicht viel. Bert verlängerte die Kante der Motorhaube oberhalb der Scheinwerfer. Dies lässt den Alfasud etwas grimmiger blicken. Dann wollte er eigentlich auch noch einen neuen Nachbau-Kotflügel montieren. Nach zwei Tagen Zuschneiden und Anpassen Alfasud 1.7wollte der Kotflügel aber immer noch nicht passen und Bert riss der Geduldsfaden. Nach einigen Tritten mit Stahlkappen-bewährtem Schuhwerk war es mit der Passung des Kotflügels endgültig vorbei...
Als Lack wählte Bert ein Ultramarin Blau aus der RAL-Farbkarte (Nummer RAL 5002). Er dachte es sei ein eher dunkles, gedecktes Blau, doch nach der Lackierung sah es auf dem Auto ganz anders als erwartet aus... Unter der Motorhaube und an den Türfüllungen wurde die Farbe mit dem Pinsel aufgetragen. Für die später sichtbaren Bereiche der Karosserie verwendete er 2k-Lack, den er mit der Sprühpistole auftrug. Er konnte bei ebay vier Liter Lack, zwei Liter Härter und einen Liter Verdünner für 100 Euro erstehen. Bert lackierte an einem frischen, sonnigen Herbsttag im Freien. Der Boden war feucht genug, so dass kein Staub aufgewirbelt werden konnte. Trotzdem schafften es hunderte kleiner Fliegen sich auf dem frischen Lack niederzulassen. Nachdem der Lack ausgehärtet war, schliff er ihn zart an. Zuerst mit 1200er, dann mit 2000er Schleifpapier. Zum Abschluss wurde der Lack mit Commandant Nr. 4 poliert. Die Fliegenleichen wurden dadurch zu kaum noch sichtbaren kleinen Punkten. Der von alten von Martini gesponsorten Rallyefahrzeugen inspirierte Streifen musste einfach auf's Auto - schließlich versteht Bert seinen Alfasud als Spaßauto, dass man nicht allzu ernst nehmen sollte. Bert bediente sich für den roten Streifen im Porsche-Regal und trug mit der Pistole Indisch Rot auf, dass er noch von der Restauration seines Ferrari übrig hatte (...). Das helle Blau wurde dagegen wiederum mit der Rolle aufgetragen. Als er den Alfasud das erste mal nach der Lackierung ans Tageslicht rollte und neben andere, moderne und zumeist grau oder silberne Autos stelle, fragte sich Bert kurz, was er da angerichtet hatte. "Die Farbe ist derart lebhaft, man könnte es radioaktiv nennen". Manchmal erscheint es als helles Blau, dann je nach Lichtstärke und -einfall dunkelblau oder sogar violett bei untergehender Sonne. Mittlerweile hat Bert sich dran gewöhntAlfasud 1.7 und hat immer wieder Spaß mit seinem Alfasud. Obwohl die Reinkarnation des Alfasud als "low budget" Projekt mit möglichst geringem Aufwand angegangen wurde, hat das Ergebnis Berts Erwartungen übertroffen. Mit den in Wagenfarbe lackierten Radlaufverbreiterungen und Stoßstangen wirkt der Alfasud moderner und auch ein bißchen "getunt". Übrigens bestehen die Schwellerblenden aus 2mm starken Blech U-Profilen, die Bert auf die Schweller schweißte. Bert hat den Eindruck, dass sie die Karosserie tatsächlich etwas steifer machen. Hebt man diesem Alfasud vorne an der Wagenheberaufnahme auf einer Seite an, hebt sich zuerst das Hinterrad auf der gleichen Seite, bevor das Vorderrad voll ausgefedert ist.  Die originalen, wenig sportlichen Sitze tauschte Bert gegen Rennschalen, die er von einem Opel-Fan kaufen konnte, der sie nicht in seinem Opel GT unterbringen konnte. Bert fertigte auch neue Türverkleidungen aus Aluminiumblech an. "Sieht cool aus und lässt die Lautsprecher sehr gut klingen", meint Bert. Mit geringem finanziellem Aufwand hat Bert eine kleines Sound System in den Alfasud gebaut.
Je ein Lautsprecher pro Tür und ein Subwoofer werden von einem150 Euro teuren Sony mp3 CD-Radio mit 4 x 50 Watt und einem billigen, angeblich 300 Watt starken Verstärker betrieben. Den Subwoofer konnte Bert Platz sparend in der Reserveradwanne unterbringen, indem er das Reserverad umdrehte und den Basslautsprecher in der Felge platzierte. Zu guter letzt wurde noch eine ebenfalls billig eingekaufte Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung eingebaut. Sie funktioniert problemlos und wird von Bert wärmstens für den Alfasud empfohlen, da man sich so den Ärger mit den recht fummeligen Türschlössern ersparen kann.

2006 ließ Bert dem Alfasud eine weitere Modifikation angedeihen. Der mittlerweile nicht mehr allzu fitte 1.7 Liter Motor machte mittlerweile Geräusche und Bert entschied sich nach einem 16V-Motor Ausschau zu halten. Er konnte Der 16V Motor.einen überholten 16V Motor aus dem nahen Belgien kaufen, der nach der Überholung nicht in ein Auto eingebaut worden war. Die Überholung umfasste neben neu gehohnten Zylinder neue Hydrostößel, Platin-Zündkerzen und Kolbenringe. Optisch war der Motor nicht aufgearbeitet worden. Dies übernahm Bert. Eine der leichteren Arbeiten am neuen Motor.

Bert rüstete den 16V auf die 40er Weber IDF Vergaser seines alten 1.7 Liter 8-Ventilers um. Dafür hatte er spezielle Adapterplatten anzufertigen. Die Vergaser erhielten neue Dichtsätze und einzelne K&N Sportluftfilter, die eigentlich zu einem Renault 19 passen. Die Schwungscheibe erleichterte Bert um dem Motor ein noch besseres Ansprechverhalten zu geben.
Damit der Motor überhaupt in den Motorraum des Alfasud passt, muss man einige Teile modifizieren. So hat die 16V Riemenscheibe, neben der Rille für den Riemen der Lichtmaschine auch zwei weitere Rillen für die Riemen der Servopumpe und des Klimakompressors, die abgedreht werden müssen um den Motor einbauen zu können. Durch Die modifizierte Auspuffanlagedie größeren Zylinderköpfe des 16V lässt sich der Motor nicht auf die alte Alfasud Quertraverse montieren. Daher musste eine Quertraverse aus dem Alfa 33 16V eingebaut werden. Der Querstabilisator musste ebenfalls gegen den 33 16V Stabilisator ersetzt werden. Um die Karosserie zu versteifen, baute Bert eine Strebe, die die beiden Querlenkeraufnahmen an der Karosserie miteinander verbindet - in der Funktion ähnlich einer Domstrebe. Weiterhin musste der Kühlerlüfter modifiziert werden.
Da das Hosenrohr des 8-Ventiler Boxermotors nicht an den 16V montiert werden kann, musste Bert das mit dem Motor mitgelieferte Hosenrohr des Alfa 33 16V für den Einbau in den Alfasud anpassen. Der Raum zwischen den beiden nach hinten verlaufenden Doppelrohren reicht bei allen Alfa 33 Hosenrohren nämlich nicht aus um die innenliegenden Bremsscheiben des Alfasud noch frei drehen zu lassen.

Bert möchte seinen Alfasud nicht mehr verkaufen. Sollte er verunfallen oder ausbrennen oder gestohlen werden will er wieder einen aufbauen.

Zwischenzeitlich hat Bert dem Alfasud weitere Modifikationen angedeihen lassen.
Hier geht es weiter mit dem aktuellen Stand.

Sie können Bert eine email schreiben: bert308@hotmail.com.

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Letztes Update: 15. Mai 2011      Created: 18. Dezember 2005

© Layout by Tim Rauen. Fotos und Text by Bert Kanters.