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ESVAR und SVAR
Während der 9. International Technical Conference on
Vehicle Safety Experiments in Kyoto im November 1982 präsentierte Alfa Romeo
der internationalen Automobilindustrie zwei Experimentalfahrzeuge auf der Basis
des Alfasud 1.5 Quadrifoglio Oro. ESVAR war konsequent auf Kraftstoffersparnis
und Umweltschutz ausgelegt. SVAR wurde zur Erforschung der Insassensicherheit
(stabilere Fahrgastzellen, Aufprallschutz etc.) konstruiert.
ESVAR
ESVAR (Energy Saving Vehicle Alfa Romeo) war als
Experimentalfahrzeug zum Energiesparen konstruiert worden. Vorgabe war,
das Fahrzeug
so zu verändern, dass es als Massenprodukt gefertigt werden konnte, was
dementsprechend den theoretischen Kaufpreis nicht zu stark in die Höhe getrieben
hätte. Man schöpfte zuerst einmal alle bekannten Möglichkeiten aus, die den
Kraftstoffverbrauch senkten. Folglich veränderte man die Getriebeübersetzung,
montierte Reifen mit geringerem Rollwiderstand, reduzierte das Fahrzeuggewicht
und verbesserte die Aerodynamik. Zuerst widmete man sich dem Rollwiderstand und
der Gewichtsreduzierung (76 kg weniger als ein serienmäßiger Alfasud 1.5 QO), um
dann die Aerodynamik konsequent zu verbessern. So wurden zum Beispiel eine
optimierte Frontschürze, bündig abschließende Radkappen (die man später am Alfa
33 wieder finden sollte) und ein Heckspoiler montiert. Resultat dieser Maßnahmen
war ein auf unter 0.33 reduzierter cw-Wert. Nun widmeten sich die Alfa Romeo
Ingenieure dem Motor. Eine Änderung der Achsübersetzung alleine hätte den
Verbrauch nur
unwesentlich gesenkt. Um die Vorgabe zu erfüllen, das Drehmoment und die
Leistung bei gleichzeitiger Verbrauchssenkung zu erhöhen (also den Kraftstoff
effektiver zu verbrennen), stellte man den 1490 cm³ Boxermotor auf eine
microprozessor-gesteuerte Benzineinspritzung um. Ein CEM ("Controllo Eletronico
del Motore") genanntes System
steuerte Zündung (mit weiter verstellbarem Zündzeitpunkt) und Einspritzung
gleichzeitig und reduzierte zusätzlich die Abgaswerte erheblich. Außerdem wurde
die Verdichtung von 9,5:1 auf 10,2:1 erhöht und eine Art automatische
Abschaltung der Einspritzung installiert, die verhinderte, dass Benzin
eingespritzt wurde, während sich der Kolben zum oberen Totpunkt bewegte. Doch
CEM konnte noch mehr, bot es doch auch eine elektronische geregelte
Zylinderabschaltung. Alfa Romeo betrat mit dieser Technik bei einem
1500 cm³ Boxermotor absolutes Neuland. CEM schaltete über Sensoren im
Ansaugtrakt gesteuert im Teillast oder Schubbetrieb einfach zwei der vier Zylinder ab.
Als positiver Nebeneffekt der Benzineinspritzung war ein erheblich erhöhtes Drehmoment
zu verbuchen. Die
Leistungsausbeute blieb mit 95 PS gleich. Die Maximalleistung stand aber schon
bei 5400 U/min anstelle von 6000 U/min beim Serientriebwerk an. Als angenehme
Nebenwirkung der ausgefeilten Aerodynamik stieg die Höchstgeschwindigkeit auf
185 km/h (174 km/h beim serienmäßigen Alfasud Ti) an. Auch das geringere Gewicht
machte sich positiv bemerkbar: ESVAR beschleunigte in 9,8 anstelle der 10,7
Sekunden des Serien-Tis von 0 auf 100 km/h, und legte einen Kilometer aus dem
stehenden Start in einer um 1,25 Sekunden kürzeren Zeit als das Serienmodell
zurück. Und all das bei reduziertem Treibstoffverbrauch: Nur 7,7 l gingen im
Stadtverkehr durch die Brennräume, bei konstant 90 km/h waren es 5 l und bei
konstant 100 km/h 5,6 l. SVAR
SVAR (Synthesis Vehicle Alfa Romeo) verwendete alle
Verbesserungen von ESVAR, sollte aber gleichzeitig eine erhebliche
Verbesserung der aktiven und passiven Sicherheit ermöglichen. Man installierte
in die Türen horizontale Versteifungsbleche aus Aluminium, die man mittlerweile
aus jedem Neuwagen als Seitenaufprallschutz kennt. Um bei schweren Front- und
Heckaufprallen mehr Sicherheit zu bieten, wurde die Struktur der Karosserie mit
Aluminiumprofilen verstärkt. Auch das Frontend wurde noch mal steifer ausgelegt.
Um auch bei einem Überschlag besser geschützt zu sein, verstärkte man noch die
Holme und das Dach. Wurde bei ESVAR großen Wert auf aerodynamische
Verbesserungen zur Kraftstoffersparnis gelegt, so wurde bei SVAR Veränderungen
zur Verringerung der Seitenwindempfindlichkeit vorgenommen. Auch der neu
entwickelte Heckspoiler
diente der Sicherheit, da er den Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten verringerte.
Alle Verstärkungsmaßnahmen zusammen erhöhten das Gewicht um 54 kg. Die
Höchstgeschwindigkeit veränderte sich gegenüber ESVAR nicht. Lediglich die
Beschleunigungswerte wurden minimal schlechter (10,1 Sekunden von 0 auf 100
km/h). Für den Kilometer aus dem Stand brauchte SVAR knapp eine halbe Sekunde
weniger als ESVAR. Natürlich wurde die neu gewonnene Aufprallsicherheit SVARs
auch ausgiebig getestet. Ein Aufprall des Autos mit einer Überdeckung von
25 % mit einem
Tempo
von 40 Meilen in einem Winkel von 30° sollte ohne, dass sich eine Türe öffnete
oder Benzin austrat verkraftet werden. Dieser Test stellt eine enorme
Beanspruchung der Struktur da. Noch schwerer war der Seitenaufprall mit 50 km/h,
den das Auto verkraften musste, ohne, dass die Karosse kollabierte oder Benzin
austrat. Einen Frontal-Crash mit 65 km/h auf ein massives Hindernis verkraftete
SVAR ebenfalls - und das ohne, dass seine Passagiere dabei ernsthaft verletzt
wurden. Beide Prototypen wurden außerdem über Alfa Romeos
hauseigene Test- und Marterstrecke in Balocco gescheucht um herauszufinden, ob
sich aufgrund der Modifikationen eine Änderung im Fahrverhalten ergeben hatte.
ESVAR und SVAR hatten außerdem bereits die Bremsanlage des
Alfa 33 mit außen liegenden Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten, die
später Einzug in den Sprint hielt. Auch die neue Hinterachse des Alfa 33 fand
sich bereits in den Prototypen. Mittlerweile sind viele der Änderungen in die
Modellpalette Alfa Romeos eingeflossen.
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Letztes Update: 19. Oktober 2004
Created: 7. September 2000
© Layout und Text by Tim Rauen. |