| Signor Alfasud - Rudolf Hruska
Rudolf Hruska hat in der italienischen Automobilgeschichte
vielfach Spuren hinterlassen. Zumeist wird er mit der Entwicklung des Alfasud in
Verbindung gebracht. Dabei hat er schon vorher am Entstehen noch berühmterer
Alfa Romeo mitgewirkt. Doch fangen wir seine (Lebens-) Geschichte vorne an.
Geboren wurde Rudolf Hruska am 2. Juli 1915 in Wien. 1935
schloss
er die Wiener Ingenieursschule ab und fand anschließend
vermutlich eine Anstellung bei Magirus in Ulm. Im Jahr 1938 wechselte er
dann zu Porsche nach Stuttgart. Zu dieser Zeit war das Konstruktionsbüro Porsche - damals noch kein Hersteller schneller
Heckmotorsportwagen - voll damit beschäftigt den von Hitler in Auftrag
gegebenen Kdf-Wagen, der uns später als VW Käfer bekannt werden
sollte, zu entwickeln. 1942, der Zweite Weltkrieg war voll entbrannt, wartete eine neue Aufgabe auf Hruska,
er wurde zur Entwicklung des Panzers "Tiger" abkommandiert.
Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete "Ingeniere" Hruska zusammen mit Piero Dusio an der
Entwicklung des Kompressor-aufgeladenen Cisitalia Rennwagen. Nach einer Zeit in Italien bei Cisitalia und einem kurzen Intermezzo
bei Porsche 1948 unterschrieb Hruska 1951 bei Finmeccanica als beratender
Ingenieur für Alfa Romeos erstes Großserienauto, den Millenove
(1900). Die Finmeccanica war als Teil des italienischen Staatskonzerns IRI, der den
Wiederaufbau der italienischen Industrie nach dem zweiten Weltkrieg zur Aufgabe
hatte für den Bereich Kraftfahrzeuge verantwortlich. Hruskas Aufgabe war derzeit
die Verbesserung der Produktivität des Portello-Werkes, was die Reorganisation
der Arbeitsabläufe mit einschloss. Mit dem Bau des Alfa Romeo 1900 wurde das
vormals eher von kostenintensiver Handarbeit geprägte Portello auf die
Großserienproduktion umgestellt.
1954 machte Alfa Romeo Hruska schließlich zum technischen Direktor. Sein Aufgabenfeld
erweiterte sich, konstruierte er doch nun unter anderem auch Nutzfahrzeuge
für Alfa Romeo. Nebenbei assistierte er dem berühmten Dot. Ing. Orazio
Satta Puliga bei der Entwicklung der Giulietta. Durch Hruskas gute Beziehungen
zu Bertone wurde die Giulietta Sprint bei Bertone gebaut. Auch der Spider
verdankt die Produktion bei Pinin Farina Hruska. Für beide Karossiers verband
sich mit der Annahme dieser Aufträge ein nicht zu unterschätzender
wirtschaftlicher Aufschwung. 1959, nach diversen Neustrukturierungen
im Personalbereich (Balduccio Bardocci wurde neuer Präsident) wurde Hruska zum Leiter des Alfa-Werks in Portello. Anscheinend kein erfüllender
Job für ihn. Kurze Zeit später wechselten er und sein Kollege Franco
Quaroni nach Querelen mit den Leitern der Finmeccanica zu Simca um dort
bei der Entwicklung des Simca 1000 mitzuarbeiten. Hruska arbeitete zusätzlich
für Alfas "Erzrivalen" Fiat. Bei Fiat entwickelte Hruska den 124 und
128 mit.
Kurz nach Hruskas Abkehr von Alfa drehte sich dort das Personal Karussell
erneut und Bardocci wurde gegen Giuseppe Luraghi ausgetauscht. Luraghi prägte in
den folgenden Jahren die Geschichte der Marke - Alfa Romeo hat dem Sportsmann
und Boxer Luraghi viel zu verdanken. Im Jahr 1967
erhielt Rudolf Hruska, zu dieser Zeit gerade in Turin bei Fiat beschäftigt, dann
per Telefon von Luraghi ein unwiderstehliches Angebot. Luraghi unterbreitete
ihm den Vorschlag ein komplett neues Auto zu konstruieren. Das dafür
benötigte Werk könne er gleich mit planen. Hruska bekam die in der
Automobil-Industrie äußerst
seltene Chance mit dem sprichwörtlichen "weißen Blatt Papier"
anzufangen. Er kündigte bei Fiat und machte sich an die Arbeit. Das Resultat seiner Mühen
hieß Alfasud...
Nach getaner Arbeit verließ Hruska 1974 Pomigliano d'Arco
und wurde zum Verantwortlichen für Design, Entwicklung und Forschung also
zum Konstruktionschef im Stammhaus in Arese befördert.
Im Jahre 1980 trat Hruska - mittlerweile 65 Jahre alt -
von seinem Posten zurück und ging in Rente. In den neunziger Jahren
blieb Hruska - trotz seines hohen Alters - immer
noch mit dem Automobilbau verbunden. Er war Berater des Turiner I.D.E.A.
Studios. Hruska starb 1995 im Alter von 80 Jahren.
Letztes Update: 4. September 2007
Created: 17. Oktober 2004
© Layout und Text by Tim Rauen. |