Kaufberatung
                       Text von Richard Jones / Tim Rauen
 
 Vorwort

Die traurige Realität.Wer sich für einen Alfasud oder Sprint interessiert, sollte sich zuerst im Klaren sein, dass er mit dem Kauf eines Boxer-Alfas ein im Vergleich zu heutigen Komfort- und Elektronikstandarts altes Auto kauft. Die jüngsten Fahrzeuge - also die letzten Sprints - wurden 1988/89 gebaut. Meistens sind zum Kauf angebotene Alfasuds alles andere als in perfektem, gepflegtem Zustand. Die schlechte Karosseriequalität verhindert dies oft sehr erfolgreich. Wenn man sich mit diesen Fakten abfinden kann, und akzeptiert hat, dass moderne Autos teilweise erhebliche Fortschritte in Sachen Qualität, Zuverlässigkeit und Verarbeitung gemacht haben, kann man sich mit einem Alfasud oder Sprint anfreunden. Dass man den Alfasud trotzdem noch heute mit modernen Autos vergleichen kann, liegt an dem damals richtungweisenden Konzept des kleinen Alfas, der vor etwas mehr als 32 Jahren konstruiert wurde und vor 30 Jahren in Produktion ging. Ganz ohne Schwächen Alfasud in bemitleidenswertem Zustand.war natürlich auch dieser Alfa nicht. Deswegen soll diese Kaufberatung potentiellen Alfasud und Sprint Käufern helfen zum erwünschten Traumauto zu finden ohne die Katze im Sack zu kaufen. Für technisch Unbegabte lohnt es sich sicherlich nach einem schon restauriertem Exemplar Ausschau zu halten. Wer auf der Suche nach einem guten frühen Alfasud der Serie I oder nach einem frühen Sprint ist, muss sehr viel Geduld investieren. Die nachfolgenden Serien II und III boten den Käufern mehr Motorleistung und Ausstattung und verdrängten die frühen Modelle daher sehr schnell. Doch frühe Alfasuds sind mittlerweile sehr gesucht und sicherlich aufhebenswert. Die Klarheit der Alfasud-Linie zeigt sich nirgends besser als bei den ersten Modellen. Wer eines findet, sollte es möglichst aufheben. Sich in Süditalien auf die Suche zu machen ist aber meistens vergebene Mühe. Hohe Benzinpreise und finanzielle Anreize vom Staat beim Neuwagenkauf bedeuteten auch in Italien oftmals das Ende des Alfasuds. 

Die häufigsten Schwachstellen auf einen Blick
Die häufigsten Mängel.
 
 Die Karosserie

Vielen ist sicherlich die berühmt berüchtigte Rostanfälligkeit des Alfasud bestens bekannt - entweder aus eigener Erfahrung oder vom Hören-Sagen. Der Karosseriezustand ist daher auch das wichtigste Kaufkriterium. Mechanik und Innenausstattung lassen sich mit viel Geduld immer irgendwoher auftreiben oder instand setzten. Richard Jones, der Co-Autor dieses Textes, hat das Schweller nach Demontage der Außenschweller (Foto von Didi Kristandl)Glück auf einem sehr trockenen und im Winter salzfreien Fleckchen Erde (Neuseeland) zu leben. Er hat selbst frühe Alfasuds von vor 1975 gesehen, die noch komplett rostfrei sind. Doch das gros der Serie I und II ist meist erheblich ver- oder durchgerostet. Da die nötige Sorgfalt und die Technik um die Karosserie vor Rost zu schützen bei Alfa Romeo in Pomigliano d'Arco erst spät Einzug hielt, kam es auch mal vor, dass Alfasuds schon bei der Auslieferung an den Kunden Rost angesetzt hatten.

Je jünger das Auto, umso besser kann es theoretisch gegen Rost geschützt worden sein. Theoretisch deswegen, weil man es in Italien anscheinend mit dem gleichmäßigen Verteilen von Hohlraumwachs nicht so genau nahm. Ein alt gedienter Alfa Romeo Händler berichtete von Autos, bei denen nach Entfernen des Außenschwellers dort, wo ab Werk ein Loch für die Hohlraumsonde vorgesehen war, dicke Klumpen des schwarzen Hohlraumschutzes zu sehen waren, der Rest des Schwellers aber von Wachs nicht erreicht und damit total verrostet war, weil man im Werk offensichtlich zu faul war die Hohlraumsonde tiefer in den Hohlraum hinein zu bewegen. Die Versiegelung der Hohlräume erfolgte übrigens nach der Endmontage und wurde von einer Fremdfirma ausgeführt. Ein millionen-teuerer im Endeffekt nutzloser Aufwand für Alfa Romeo. Die meisten frühen Exemplare (Serie I) erhielten ab Werk gar keine Hohlraumversiegelung (oder wurden anstelle von Wachs mit hygroskopischem Schaum ausgeschäumt) und sind deswegen längst verschrottet worden.

Front- und Heckblech, Unterboden, Fahrwerksaufnahmen, Schweller und Quertraverse

Als erstes empfiehlt sich ein Blick unter das Auto. Eine Hebebühne erleichtert dies natürlich erheblich. Durchgerostete Schweißnaht zwischen Bodenblech und Schweller (Foto von Kim Schumacher)Lässt sich das Auto anheben ohne, dass eine der Hebebühnenarme mit samt der Wagenheberaufnahme in den Schweller einbricht, hat das Auto schon Pluspunkte. Trotzdem sollte man sich die Wagenheberaufnahmen noch einmal näher ansehen. Am besten "bewaffnet" man sich mit einer starken Taschenlampe und einem Schraubenzieher mit dem man besonders an Stellen wo der Unterbodenschutz neu aussieht, kräftig stochern sollte. Bis 1980 beschichtete Alfa Romeo den Unterboden mit schlecht haftendem PVC. Oft rostet es unter dem PVC ohne, dass man es von außen erkennen kann. Besonders dort, wo die Bodenbleche an die Radhäuser und die Schweller grenzt, blüht es gerne an den Schweißnähten. Ebenso sind der Bereich um die Halterungen der Bremsleitungen, der Bereich um den Tank und die hinteren Längsträger der Karosse sowie alle Fahrwerksaufnahmen und der Anlenkpunkt des Panhardstabes an der Hinterachse auf Rost zu untersuchen. Das innere und das äußere Heckblech sind ebenfalls stark rostgefährdet. Sie neigen zu Durchrostungen und wurden unter Umständen Total zerfressenes Heckblech einer Alfasud Giardinetta (Foto von Achim Maier)schon ausgetauscht. Ist dies der Fall, achten Sie darauf, dass die Wasserablauflöcher an den unteren Kanten nicht verschlossen sind. Rost am Frontblech ist leicht zu erkennen da es im Gegensatz zum Heckblech von beiden Seiten aus zu begutachten ist.

Besondere Aufmerksamkeit sollten auch die vorderen Längsträger und die Querlenkeraufnahmen erfahren. Die Längsträger sind integraler Bestandteil der Knautschzone und sollten deswegen weder rostig noch durch einen Unfall beschädigt und dann schlecht repariert worden sein. Eine fachgerechte Reparatur eines Unfallschadens auf einer Richtbank kann nur vom Profi durchgeführt werden und ist nicht eben billig. Bei manchen Alfasuds sind die Längsträger auf der Höhe der Antriebswellen auch ohne einen vorhergegangenen Unfallschaden eingerissen. Beschleunigt man stark, spürt man bei einem solchem Defekt ein Zerren in der Lenkung. Steht es um die Substanz hier schlecht, ist vom Durchgerosteter Längsträger hinten links (Foto von Kim Schumacher)Kauf meistens abzuraten.
Die vorderen Querlenker sind ebenfalls einen kritischen Blick wert. Alfa Romeo schäumte diese Teile aus um sie damit vermeintlich besser gegen Korrosion von innen zu schützen. Man war sich seinerzeit in Pomigliano d'Arco nicht im Klaren, dass dieser Schaum die Feuchtigkeit nicht verdrängte sondern aufnahm und die ausgeschäumten Hohlräume somit zum Feuchtbiotop machte. Die Querlenker neigten deswegen dazu von innen durchzurosten und dann im schlimmsten Fall abzubrechen. In den Jahren 1982/83 führte dies zu einer Rückrufaktion bei der die ausgeschäumten Exemplare durch "hohle" getauscht wurden. Ob die am Auto verbauten Exemplare noch ausgeschäumt sind, kann man mit den Fingern an den Zerfressenes Heckblech eines späten Sprint.äußeren Enden ertasten. Ausgeschäumte Exemplare sind sofort auszutauschen.
Der vordere Querträger, der mit der Karosserie verschraubt ist und den Motor nach vorne hin abstützt sowie als Aufnahme der vorderen Schubstreben dient, neigt ebenfalls dazu durchzurosten. Vorsicht, sollte der Verfall hier schon weiter fortgeschritten sein, könnte im Extremfall die Vorderachse kollabieren oder der Motorblock durch einen Mangel an Abstützung stark belastet werden. Auch die Hinterachse löst sich gerne in rotbraunen Staub auf. Beim Alfasud handelt es sich um ein Blechpressteil, bei den späten Sprints kommt die stabilere und rostresitentere Rohrachse aus dem Alfa 33 zum Einsatz.

Sind die Karosserie und das Fahrwerk an diesen Stellen gesund, sollte man nun anZerfressene A-Säule. den Aufnahmen der Lenkung nach Rost fahnden. Als nächstes sollte man einen Blick in die vorderen Radhäuser werfen. Besonders der Bereich, wo das Radhaus an den Schweller angrenzt, ist stark rostgefährdet. Da der Alfasud keine Innenkotflügel aus Kunststoff hat (nur die letzen Sprints wurden damit ausgestattet), kann von den Rädern aufgeschleuderter Schmutz und natürlich (Salz-) Wasser sich hier ungehindert festsetzen und das Blech zum blühen bringen. Man kann übrigens die vorderen Innenkotflügel des Alfa 33 auf den Alfasud anpassen. Dann solle man sich die Außenschweller näher anschauen. Die tis der Serie II, alle Serie III Alfasuds und die letzten Sprints haben hier Kunststoffverkleidungen. Diese sollte man abnehmen und sich die Bohrungen der Klipse näher anschauen. Um die Klipse herum platzt gerne Lack ab. Ohnehin wurde hier werksseitig nicht sehr dick lackiert. Ist die Außenseite bereits vom Rostteufel besessen, ist es mit dem Innenschweller auch nicht mehr gut bestellt. Da die Schweller zur Stabilität einer jeden Karosserie erheblich beitragen, sollten sie intakt sein. Reparaturen sind allerdings möglich - solange noch genug Substanz da ist um ein Reparaturblech einzuschweißen. Ist dies nicht der Fall, bleibt nur noch der komplette Austausch.

Frontscheibenrahmen

Selbst bei sehr So sieht es aus, wenn man die Frontscheibe ausbaut... (Foto von Achim Maier)gepflegten Fahrzeugen neigt die A-Säule im unteren Bereich des Frontscheibenrahmens zum Rosten. Die linke Seite ist meist stärker angegriffen als die Rechte. Blasen im Lack oder eine wellige Frontscheibendichtung sind ein eindeutiges Zeichen für die im Verborgenen wütende braune Pest. Auf dem Bild rechts sehen Sie die linke untere Ecke nach Ausbau der Frontscheibe. Von Außen gab es hier keinen Hinweis auf den bereits stark fortgeschrittenen Verfall im Verborgenen. Zur Kontrolle kann man zusätzlich das Scheibengummi mit den Fingern anheben. Rostet es hier, muss man um dem Rostfraß Einhalt zu gebieten, die Scheibe ausbauen.
Einen neuen Scheibenrahmen (egal ob für Alfasud oder Sprint) dürfte aber der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen gleichen. Oft entstehen durch rostige Scheibenrahmen auch Wassereinbrüche in den Innenraum. Dies kann sich unter umständen dadurch zeigen, dass es im Bereich der Pedalerie auf die Fußmatte tropft.

Bei den allerersten Alfasuds war die Windschutzscheibe noch eingeklebt. Die um die Scheibe montierten Chromzierleisten waren allerdings mit Klemmen an den Scheibenrahmen geheftet. Dadurch wurde dem Rost Tür und Tor geöffnet - er konnte sogar unter die Klebeflächen gelangen. Die meisten Fahrzeuge, die man heute findet haben aber schon in eine Gummidichtung eingesetzte Frontscheiben.

Unter der Motorhaube / Kotflügel und Stehbleche

Bei geöffneter Motorhaube sollte man Der Rost hat ganze Arbeit geleistet.nun die Gummidichtung des von Alfa Romeo "Service-Abteil" getauften oberen Bereichs des Motorraums anheben. Dort wo die Kotflügel angesetzt sind, rostet es gerne im Verborgenen unter besagter Dichtung. Bleiben wir im "Service-Abteil". Ist aus der Batterie einmal Säure ausgelaufen und auf den Lack gelangt, hat sie diesen meist aufgelöst. Gleiches gilt auf der Fahrerseite für einen eventuell undichten Hauptbremszylinder. Natürlich sind von Batteriesäure oder Bremsflüssigkeit angefressene Oberflächen schnell verrostet. Auch die Verlängerungen der Stehbleche zwischen den Domen und der Windschutzscheibe sehen oft übel aus. Wenn die Motorhaube schon mal offen ist, kann man auch gleich einen Blick auf die so genannten Kotflügelbefestigungskanten werfen, auf die die Kotflügel geschraubt sind. Die Kotflügelbefestigungskante ist im Prinzip ein Vierkantprofil, dass an der Unterseite mit dem Stehblech verschweißt ist. Zwischen den Kotflügeln und der Kotflügelbefestigungskante Ein rostiger Kotflügel - um die A-Säule wird es auch nicht mehr besonders gut bestellt sein...rostet es fast immer. Dies lässt sich meist aber erst nach der Demontage der Kotflügel richtig erkennen. Die Kotflügelbefestigungskanten selber werden gleich durch zwei Faktoren zum Rosten animiert. Sie liegen direkt im Spritzwasserbereich der Vorderräder und werden so mit allem bombardiert, was die Reifen aufschleudern und sind zudem bei frühen Alfasuds ausgeschäumt. Die frühen Sprints ohne Innenkotflügel sehen hier meist noch schlimmer aus. Die beiden Fotos unten zeigen, wie es im schlimmsten Fall aussehen kann.
Die Stehbleche selber rosten ebenfalls gerne durch. Die Kotflügel rotten außerdem innen gerne an den hinteren Ecken. Sprints rosten außerdem gerne an der A-Säule unter dem oberen Türscharnier - was ernsthafte Folgen für die Stabilität der Karosserie haben kann. Sicherheitshalber sollte man hier auch die Berlinas unter die Lupe nehmen.


 
Verrottete Kotflügelanschraubkanten Verrottete Kotflügelanschraubkanten

So sehen die Kotflügelanschraubkanten nach 20 Jahren aus.

Der Kotflügel ist bereits mit von der braunen Pest befallen - Schrott!

Radläufe hinten und Fensterrahmen hinten

Bei zweitürigen Alfasud sollte man als nächstes die hinteren Ausstellfenster Radlauf hintenöffnen und einen Blick auf die Rahmen werden. Auch gepflegte Autos rosten hier oft. Wirft der (demontierbare) Fensterrahmen beim Sprint an der dem Heck zugewendeten Ecke Blasen, ist er meist von innen durchgerostet. Ob der Rahmen noch zu retten ist, kann man erst nach dem Ausbau erkennen. Übrigens hängen bei den Zweitürern gerne die Türen leicht in ihren Angeln durch. Sie müssen dann etwas angehoben werden damit sie richtig ins Schloss fallen können.
Radlauf - ExitusAuch die hinteren Radläufe sind immer einen Blick wert. Es gibt drei Zustände:
1. Die Radläufe wurden fachgerecht mit einem Reparaturblech oder kompletten Seitenteil instand gesetzt.
2. Die rostigen Stellen der Radläufe wurden mit viel Liebe und Spachtel kaschiert und dann überlackiert.
3. Es wurde überhaupt nichts gemacht - was natürlich meist sehr gut sichtbaren Rost mit sich bringt....

Prüfen Sie also mit Hilfe eines Magneten die Radläufe auf Spachtel und greifen Sie anschließend einmal mit ihren Fingern die Radlaufkante ab. Noch unsichtbaren Rost kann man hier eventuell schon erfühlen, weil er meist die beiden Bleche schon auseinander gedrückt hat. Auch vermeintlich nur leicht verrostete Radläufe haben meist das Radhaus in Mitleidenschaft gezogen. Während es momentan sowohl für den Alfasud als auch den Sprint noch Radlauf-Reparaturbleche gibt, muss man sich dann für die Reparatur des Radhauses selber etwas einfallen lassen.

Meistens sind auch die Endspitzen so zerfressen, das man sie mit der Hand zerbröseln kann - sofern nicht vorher eine Pfusch-Reparatur mit Spachtel durchgeführt wurde. Vorsicht bei Fahrzeugen mit Schmutzfängern. Oft wurden die Bohrlöcher nicht gegen Rost geschützt. 

Heckklappe / Kofferdeckel, Kofferraum und Dachabschluss

So sieht eine Giardinetta Heckklappe im Extremfall aus (Foto von Achim Maier)Beim Sprint und Alfasuds mit großer Heckklappe und der Alfasud Giardinetta sollte man die unteren Ecken des Heckfensters auf Rost überprüfen. Untrügliches Zeichen für Rost sind auch hier wieder kleine Blasen im Lack rund um die Dichtung. Im Gegensatz zur Frontscheibe hat man aber an der Heckklappe die Chance das Scheibengummi auch von der Innenseite her mit den Fingern anzuheben um von dort aus nach Rost zu fahnden. Bei Modellen mit kleinem Kofferdeckel sollten die Scharniere des Deckels an der Karosserie begutachtet werden. Wie eine Giardinetta-Heckklappe unter dem Scheibengummi aussieht, sehen sie links. Im Kofferraum sollte man den Bodenteppich anheben, das Reserverad ausbauen und die Reserveradwanne bzw. den Kofferraumboden genauer ansehen. Hier erkennt man genau, ob das Auto einen Heckschaden hatte bzw. ob es danach ordentlich repariert wurde. Im Bereich um und hinter den Rückleuchten findet sich ein weiterer Rostherd, der aber nur sehr schwer zu erkennen ist ohne die Leuchten auszubauen. Besonders bei Alfasuds der ersten beiden Serien (mit kleinen Rückleuchten) gammelt es dort gerne.
Sprints rosten gerne dort, wo der Kofferraumboden auf Höhe der Rückbank mit Der Wasserablauf beim Sprintdem angrenzenden Bodenblech verschweißt ist.
Eine weitere Roststelle, die vom Kofferraum aus gut zu sehen ist, befindet sich auf den Radhäusern genau dort, wo sich auf der Außenseite die Stoßdämpferdome befinden. Aufgeschleuderter Schmutz setzt sich mit der Zeit in den Stoßdämpferdohmen ab und bildet einen Feuchtigkeitsspeicher, der dann das Radhaus von außen nach innen durchrosten lässt. Alfa Romeo hat dieses Problem nie wirklich in den Griff bekommen - selbst die letzten Alfa 33 plagt Rost an dieser Stelle. Ein bißchen Wachs ab Werk hätte sicherlich geholfen...

Öffnet man beim Sprint die Heckklappe, sollte man am oberen Abschluss des Heckblechs, dort wo sich die Kofferraumklappendichtung befindet zwei Ablauflöcher finden, die das Wasser über zwei Schläuche durch den Kofferraum über das Heckblech wieder nach außen leiten. Der Sprint rostet auch gerne um die Scharniere der Heckklappe und unter der Gummidichtung am Dachabschluss, die sie unbedingt entfernen sollten um darunter nach dem Rechten zu schauen.

Blick vom Innenraum auf das hintere Radhaus beim Sprint (Foto von Kim Schumacher)Beim Sprint sollte man sich noch die Mühe machen und die Abläufe und den Wasserkasten der hinteren Seitenscheiben prüfen. Sind sie frei, läuft das Wasser in den hinteren Radhäusern vor den Rädern durch einen halboffenen Gummistopfen wieder ab. Rutscht hier von innen ein Schlauch ab oder setzt er sich mit Schmutz oder Rost zu, steht der Wasserkasten hinter der Innenverkleidung unter Wasser und gammelt dann gerne um die Öffnung für den Fensterheber und am Abflussrohr durch. Um sich hier über den Zustand im Klaren zu werden, müssen die Sitzfläche der Rückbank und die Seitenverkleidungen ausgebaut werden. Wie auf dem Foto rechts gut zu sehen, bildet sich um den erwähnten Gummistopfen sehr gerne Rost, den man meist erst nach der Demontage der inneren Seitenverkleidung sieht, da ihn von außen der Unterbodenschutz erfolgreich verdeckt. An eine Hohlraumversiegelung hat das Werk hier erst sehr spät gedacht - die auf dem Foto rechts gezeigte Seitenwand entstammt einer der letzten Sprints von 1988. Wie gut die werksseitige Hohlraumversiegelung ausgefallen ist, ist ersichtlich, die Radläufe haben es nicht ins neue Jahrtausend geschafft...

Innenausstattung

Der gerissene Fahrersitz eines Alfasud Giardinetta (Foto von Achim Maier)Die Innenausstattungen von Alfasud und Sprint gehören nicht zu den langlebigsten ihrer Art. Sowohl die Kunstlederbezüge der ersten Serie als auch die Stoffausstattungen der Serien II und III zeigen bei häufiger Nutzung Verschleiß. Dies kann erst nach 150.000 km oder schon bei unter 50.000 km der Fall sein. Die Kunstlederbezüge der Sitze werden mit der Zeit an den Nähten mürbe und reißen dann ein. Besonders in Mitleidenschaft gezogen ist oft auch die Oberkante der Rückbank, die bei Laternenparkern unter permanentem UV-Lichtbeschuss war. Die verarbeiteten Stoffe waren nicht immer farbecht. So gibt es zum Beispiel vom Sprint 1.5 QV eine Serie, dessen mit schwarzem Stoff bezogene Sitzwangen mit der Zeit verblichen sind und braun wurden während die Sitzmittelbahn schwarz geblieben ist. Schwergewichtige Insassen strapazieren auf Dauer den Schaumstoffkern der Sitze. Meist hat ein schwerer Fahrer den Schaumstoffkern der Sitzfläche des Fahrersitzes total zerstört.
Die Armaturenbretter von Alfasud und Sprint sind hinterschäumt und nehmen bei undichten Blick in den gut erhaltenen Kofferraum eines Alfasud Giardinetta ( Foto von Achim Maier)Frontscheiben gerne das gesamte eindringende Wasser auf. Im Extremfall setzen sie Moos an. Italienimporte haben während ihres Lebens oft unter der südlichen Sonne gelitten und haben ab und zu Risse im Armaturenbrett.
Als Bodenbelag findet sich im Alfasud Gummi wie auf dem Bild rechts oder Teppich. Autos mit großer Laufleistung haben meist dort, wo das Kupplungspedal den Bodenbelag berührt eine durchgescheuerte Stelle. Ersatz in gutem Zustand ist nicht einfach zu finden. Die große Vielzahl von unterschiedlichen Farben erleichtert die Suche nicht gerade. Für den Gummi-Bodenbelag Ersatz zu finden ist besonders schwierig.
Giardinetta-Käufer sollten auf einen gut erhaltenen Kofferraum achten. Die Giardinettas stammen aus einer Zeit, in der Kombis hauptsächlich als Arbeitstiere benutzt wurden und Pflege eher Nebensache war. Der Ladeboden ist daher oft total ramponiert. Ersatz gibt es natürlich nicht beim nächsten Teilehändler um die Ecke... Der auf dem Bild links gezeigte Kofferraum hat die Zeit erstaunlich gut überdauert.

 
 Elektrik und Beleuchtung

Die Elektrik ist  - wie bei vielen italienischen Autos - von geringer Qualität. Deswegen sollte man sich versichern, dass alle elektrischen Komponenten funktionieren. Es wurde von Autos berichtet, bei denen bei Tempo 160 das Licht von alleine anging usw. Als erstes sollte man die Lenkstockhebel auf ihre korrekte Funktion prüfen. Bei lange eingelagerten Fahrzeugen hat sich hier meist so viel Staub festgesetzt, dass die Hebel bei anschließender Benutzung sogar verschmoren können. Es empfiehlt sich derart verschmutzte Hebel auszubauen und kräftig mit Druckluft durchzublasen. Eine anschließende, intensive Behandlung mit einem Korrosionslöser für Elektroteile kann Wunder wirken. (Nicht vergessen den Korrosionslöser nach einem Tag wieder auszublasen - Kurzschlussgefahr!) Sind die Hebel an sich nicht beschädigt und ein Verbraucher funktioniert nicht wie erwartet, liegt dies oft an oxidierten Kontakten oder Steckern des Kabelbaums. Ebenfalls kann es an Kontaktproblemen am Sicherungskasten liegen. Ersatz für defekte Lenkstockhebel ist teuer und schwer zu bekommen. Alfa Romeo verkaufte das Ersatzteil seinerzeit nur komplett, also beide Hebel inklusive der Befestigung an der Lenksäule und den Steckern. In Folge von undichten Windschutzscheiben kann es zu weiteren Problemen kommen.
Oft sind die Masseverbindungen des Kabelbaums mit der Karosserie korrodiert. Wird dies über längere Zeit nicht bemerkt verbrennen die Kupferadrern der Massekabel mit der Zeit - bis zum Totalausfall beispielsweise der vorderen Blinker. Zur Zeit des Alfasud waren gegen Spritzwasser geschützte oder abgedichtete Steckverbindungen im Fahrzeugbau noch nicht Standard. Wasser und Streusalz sorgen also mit der Zeit für Korrosion an ungeschützten Kabelschuhen. Besonders im Bereich der Scheinwerfer und Blinker. Oft ist dies eine Ursache für ausgefallene Leuchten.

Die Rückleuchtengläser und die vorderen Blinkergläser sind bei allen Alfasud und Sprint mit Schrauben von außen mit dem Reflektor verschraubt (Eine Ausnahme macht hier der Alfasud Serie I / II, bei dem der Blinker in den Hauptscheinwerfer integriert ist.) Aus optischen Gründen verwendete Alfa Romeo Schrauben, deren Kopf aus durchsichtigem, in der jeweiligen Farbe des Rücklleuchtenteils gefärbten Kunststoff bestehen. Dieser Kunststoff ist mit der Zeit meist derart spröde geworden, dass er beim Abschrauben gerne zerspringt.

Bei Alfasud Ti der Serie III und bei Sprints der Serie III gilt es auf die vorderen Scheinwerfer zu achten. Hersteller waren hier Carello und Siem. Ersatz ist teuer und nur selten aufzutreiben. Die Scheinwerfer für den Sprint findet man als Neuteile nur noch mit sehr viel Ausdauer und Glück. Die großen Rechteck-Scheinwerfer des normalen Alfasud wurden von mehreren Zulieferern (u.a. Bosch und Carello) gebaut. Man findet sie noch recht oft zu vernünftigen Preisen als Neuteil.

 Antrieb und Mechanik

Bremsen

Vor dem Kauf eines Alfasuds sollte die Bremsanlage auf jeden Fall eingehend geprüft werden (am besten auf einem Bremsenprüfstand). Der Alfasud verzögert mit vier Scheibenbremsen. Die vorderen Scheibenbremsen sind innen liegend (also nicht an den Radnaben sondern am Getriebe) montiert. Die Bremsanlage der Sprints ab Hinterradbremse eines Sprint mit vier Scheibenbremsen.1984 hat das Layout des Alfa 33 und unterscheidet sich von der des Alfasud durch außenliegende Scheiben vorne und Trommeln hinten. Die Handbremse wirkt bei den Modellen mit vier Scheiben auf die Vorderräder, bei den späten Sprints mit Alfa 33 Technik auf die Hinterräder.

Da die meisten Fahrzeuge heute nicht mehr täglich bewegt werden und mehr stehen als fahren ist ein besonderes Augenmerk auf Standschäden wie undichte Hauptbremszylinder und Radbremszylinder hinten (bei späten Sprints) oder festgegangene Kolben in den Bremssättel zu richten.

Die Vorderradbremsen neigen bei den Versionen mit innenliegenden Scheiben zum Rubbeln. Auch die Leistung der Handbremse ist bei den Versionen mit innenliegenden Bremsen vorne oft nicht ausreichend. Grundsätzlich funktioniert die Handbremse aber sehr gut - vorausgesetzt die Kolben der Bremssättel sind einwandfrei gangbar und das Spiel zwischen Belag und Bremsscheibe ist korrekt eingestellt. Zieht das Auto beim Bremsen schief, kann dies bei Modellen mit innenliegenden Scheibenbremsen vorne an durch Öl verschmutzten vorderen Bremsscheiben liegen. Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen empfiehlt es sich die undichte Stelle an Motor oder Getriebe neu abzudichten. Oft sind in diesen Fällen die Simmeringe der Getriebeausgangswellen (dort, wo die Antriebswellen angeschraubt sind) undicht. Der Ausbau der vorderen Bremssättel ist deutlich aufwändiger als dies bei einem Fahrzeug mit konventionellem Layout mit außenliegenden Bremsen der Fall ist.

Der Alfasud ist unbeladen ein relativ kopflastiges Fahrzeug - folglich billigt der Bremskraftregler an der Hinterachse den hinteren Radbremsen keine hohen Drücke / Bremsleistungen zu. Öfters ist der Bremskraftregler defekt und leitet dann entweder gar keinen Bremsdruck mehr an die Hinterradbremsen oder zuviel. Wird kein Bremsdruck mehr an die hinteren Bremssättel geleitet sind deren Kolben deswegen meistens festkorrodiert so dass sie funktionslos geworden sind. Sind zum Beispiel die Bremsscheiben hinten nach einer Probefahrt mit einigen scharfen Bremsungen immer noch vollkommen angerostet, sollte man die Instandsetzung vom Kaufpreis abziehen. Leitet der Bremskraftregler zuviel Druck an die hinteren Bremsen, blockieren die Hinterräder beim starken Abbremsen oder bei einer Vollbremsung auch hinten. Der Bremskraftregler befindet sich über der Hinterachse und wird von deren Panhardstab über eine Federstange angesteuert. Er ist neu nicht mehr lieferbar. Alternativ zur über den Panhardstab angesteuerten, lastabhängigen Version wurde bei einigen Fahrzeugen auch eine druckabhängige Version des Bremskraftreglers verbaut. Sie ist an der gleichen Stelle eingebaut wie die lastabhängige Version und limitiert den an die Hinterräder abgegebenen Druck unabhängig zum Beladungszustand des Fahrzeuges. Auch dieser Bremskraftregler ist nicht mehr lieferbar.  Der Bremskraftregler aus den jüngeren Alfa 33 kann bei allen Modellen mit hinteren Scheibenbremsen nicht verwendet werden, da beim Alfa 33 die Bremskreise anders aufgeteilt sind (über Kreuz) und der Bremskraftregler daher anstelle von zwei (Alfasud und Sprint bis zur Umstellung auf die Alfa 33 Bodengruppe) vier Anschlüsse hat.

Grundsätzlich gilt für die Bremsanlage aber: wer sich an die vom Werk angegebenen Arbeitsschritte hält und die Bremse wenigstens einmal am Tag stärker beansprucht um Beläge und Scheiben sauber zu halten, wird mit sehr guter Bremsleistung und nahezuer Wartungsfreiheit belohnt.
Zunehmend Besorgnis erregend ist die immer schlechte werdende Ersatzteilversorgung für die Modelle mit vier Scheibenbremsen. Bremsbeläge für die Hinterachse gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr von namhaften Herstellen wie ATE oder Brembo. Für die Vorderachse bietet TRW noch Beläge an. Von weniger bekannten Herstellern deren Qualität einjeder selber einschätzen soll gibt es allerdings Beläge für beide Achsen.

Getriebe

Die Getriebe gelten grundsätzlich als sehr robust. Lediglich die Synchronisation des zweiten Ganges und verschlissene Schaltgestänge machen je nach Laufleistung und Vorbesitzer Probleme. Die Synchronisation der Boxer-Getriebe erfolgt nach dem sog. System Porsche. Es ist für seine schnellle Schaltbarkeit aber auch für seine Verschleißfreude bekannt. Porsche 911 Besitzer kennen dieses Problem ebenfalls.
Wer das Getriebe überholen möchte, sollte dann auch in einem Arbeitsgang die Kupplung und deren Ausrücklager tauschen.
Ein weiteres bekanntes Problem der Getriebe- Differentialeinheit sind ausgeschlagene Differentiale die sich gewöhnlich mit Geräuschen während der Fahrt bemerkbar machen. Generell gelten die Boxen als nicht gerade leise. Rasselnde Geräusche im Leerlauf bei nicht getretener Kupplung sind normal - selbst bei damals neuen Fahrzeugen traten Geräusche auf. Ein Tritt auf die Kupplung sorgt meistens für Ruhe im Räderwerk.
Synchronringe sind (Stand 2015) noch bei Alfa Romeo für den Alfa 33 bestellbar. Diese Synchronringe sind mit denen des Alfasud identisch. Bei einigen Kugellagern im Getriebe handelt es sich um Normteile. Sie sind daher über jeden Kugellager-Händler einfach verfügbar. Allerdings hat das Getriebe auch zwei speziell für Alfa gefertigte Lager die - genauso wie die Getriebe-Ölwannendichtung - nicht mehr neu lieferbar sind.

Die Antriebswellen gelten als sehr robust. Nach einer Sichtkontrolle vom Motorraum (Manschetten) aus, sollte man bei der Probefahrt die Lenkung voll einschlagen und kräftig Gas geben. Klackert es jetzt, sollte man neue Antriebswellen ins Budget einplanen.

Motor

Die Boxermotoren sind wie alle Alfa Romeo Motoren nahezu unzerstörbar - vorausgesetzt man hält die Ölwechselintervalle ein und fährt das Auto schonend mit maximal 3500 U/min warm (solange, bis das Kühlwasser und vor allem das Motoröl Betriebstemperatur haben). Die Zylinderköpfe bestehen im Gegensatz zum aus Grauguss gefertigten Motorblock aus einer Leichtmetalllegierung, die ein anderes Ausdehnungsverhalten bei Erwärmung aufweist als der Grauguss des Motorblocks. Belastet man den Motor direkt nach dem (Kalt-) Start mit hohen Drehzahlen, quittieren das die Zylinderköpfe gerne mit Verzug.1.5 Liter 105 PS Motor in einem Sprint 1.5 QV.

Den Einsatz hochwertiger Öle (10W40 nach Herstellervorschrift!) dankt der Motor mit langer Lebensdauer. Moderne 5W40 oder 0W30 Öle sind Gift für die Boxermotoren. Die späten Sprints verfügen bereits über Hydrostößel. Diese neigen bei verschlampten Ölwechselintervallen oder bei Kurzstreckenautos zur Verschlammung und machen dann durch mehr oder weniger lautes Tickern oder Klackern auf sich aufmerksam. Oft kann eine Spülung des Ölkreislaufes hier Abhilfe schaffen.

Grundsätzlich sollten die Motoren immer mit maximalem Ölstand gefahren werden.

Der Boxermotor gilt als sehr steife Konstruktion, alle Lager sind großzügig dimensioniert, die verwendeten Materialien sind von überdurchschnittlicher Qualität. Belastbare Kurbelwellen und verhältnismäßig geringe Kolbengeschwindigkeiten garantieren für eine langes Leben. Immer vorausgesetzt, die Triebwerke wurden von einem gefühlvollen Gasfuß bewegt. Scharf gefahrene 1.5 Liter Versionen (95 oder 105 PS) neigen unter umständen eher zu (seltenen) Pleullagerschäden. Die Nockenwellen der Versionen mit 105 PS 1.5 Liter Motor neigen zum Einlaufen - Alfa Romeo hatte hier anfangs eine schlechtere Metalllegierung verwendet. Das Problem bekam man in Pomigliano d'Arco aber mit Einführung des 33 1.5 QV in den Griff.

Alterbedingter Verschleiß zeigt sich auch an den Ventilführungen und Ventilschaftdichtungen, was eine blaue Wolke aus dem Auspuff beim Kaltstart und bei schnellen Gangwechseln bei forcierter Fahrweise zur Folge hat. Die Versionen mit Doppelvergasern haben manchmal Probleme mit unrundem Lehrlauf. Autos mit Weber Vergaseranlagen sind hier anfälliger. Meist lässt sich das aber einstellen. Seltener sind die Düsen der Gasfabriken verstopft (besonders oft beim hinteren linken Zylinder (# 4)). Versionen mit einem Registervergaser leiden bei hohen Laufleistungen unter Umständen auch an unrundem Leerlauf, der oft auf ausgeschlagene Drosselklappenwellen des Weber- oder Solex-Vergasers zurückgeführt werden kann. Die Triebwerke sind sehr laufruhig - vor allem im Vergleich zu Alfas Bialbero-Vierzylindern. Sollten sie trotzdem ungewöhnliche Geräusche hören (etwa einen gurrenden Ton), prüfen Sie bei stehendem Motor das Lager der Wasserpumpe auf Spiel und tauschen Sie die Pumpe bei zuviel Spiel aus. Letztendlich sollte man sich vom Verkäufer dokumentieren lassen können wann die Zahnriemen (der Boxer hat zwei) und deren Spannrollen das letzte mal getauscht wurden. Fehlt ein Nachweiß, sollte man Riemen und Spanner schleunigst tauschen lassen. Nur 20.000 km gelaufene Zahnriemen, die aber 1985 das letzte mal gewechselt wurden, sollten ebenfalls schnellstens getauscht werden - Zahnriemen altern auch bei Nichtbenutzung und werden porös... Die Ausgaben für einen Zahnriementausch (Spannrolle etwa 60 EUR / Stück, Zahnriemen etwa 18 EUR / Stück + Arbeitszeit) betragen nur ein Bruchteil dessen, was ein gerissener Riemen und dessen Folgen kosten. Wenn die Zahnriemen schon mal ab sind, ist der Tausch der Wasserpumpe ebenfalls sinnvoll. Die Wasserpumpe teilt sich einen Keílriemen mit der Lichtmaschine, ist aber nur demontierbar, wenn der Zahnriemen auf der Fahrerseite vorher abgenommen wurde.
Seltener werden die Simmeringe der Nockenwellen undicht. Erkennbar ist das an öligen Verschmutzungen auf der Quertraverse unter der Zahnriemenabdeckung. Bei starkem Ölverlust an dieser Stelle läuft das Öl auch schon mal den Schubstreben der Vorderachse herunter. Der Wechsel der Simmeringe lässt sich idealer Weise beim Zahnriemenwechsel mit erledigen.

Teurer "Kleinkram"

Alle Alfasud / Alfasud ti und Alfasud Sprint haben einen mechanischen Tachoantrieb. Der Abtrieb am Getriebe und die Tachowellen versagen öfters ihren Dienst. Tachowellen und das aus Kunststoff gefertigte Zahnrad im Getriebe, in das die Tachowelle eingesteckt ist, sind nicht mehr lieferbar und müssen daher bei einem Defekt aus einem Schlacht-Auto beschafft werden.

Die von Alfa Romeo verbauten Scheibenwischergestänge und vor allem die (Kunststoff-) Lager der Wischerwellen neigen zu vorzeitigem Verschleiß. Wackeln die Wischerarme mit der Welle hin und her, sind die Kunststofflager der Wellen ausgeschlagen und müssen ersetzt werden.

Alfasud Ti 1.5 QV und Sprint 1.5 QV wurden teilweise mit Michelin TRX-Reifen ausgeliefert. Das von Michelin entwickelte TRX-System benötigte spezielle Felgen (in metrischen Durchmessern), setzte sich aber nicht durch. Sollten Sie daher auf ein solches Fahrzeug treffen, können sie entweder mehr als 1000 EUR für einen Satz neue Reifen mit einkalkulieren oder sich gleich auf die Suche nach normalen Felgen machen. Die bei den Fahrzeugen mit TRX-Bereifung montierte Speedline-Felge wurde von Speedline auch für normale 185er Bereifung in 14 Zoll gefertigt (und auch bei einigen Alfasud Ti und Sprint serienmäßig verbaut). Ein Michelin TRX Reifen der Dimension 190/55 R 340 H TRX TL 81H schlägt nämlich mit über 250 EUR zu buche und ist nur über wenige Reifenhändler zu beziehen (Siehe Ersatzteilversorgung und -preise)!

 
 Originalität

Viele Alfasuds wurden im Laufe der Zeit mit den Zusatzinstrumenten des Ti ausgerüstet, oft finden sich auch nicht originale Sitze oder Armaturenbretter. Der kreative Tatendrang vieler Besitzer sorgte außerdem oft für riesige Lautsprecherlöcher in Türen und Hutablage und lackierten Serie III Kunststoffstoßstangen an Serie I / II Alfasuds. Wer sich hier nicht auskennt, sollte versuchen anhand antiquarisch erhältlicher Verkaufsprospekte nachzuvollziehen, ob alles zusammenpasst. Auch die Typreferenten des Alfaclub können helfen. Wer noch schneller klären möchte, ob das Objekt seiner Begierde original ist, kann sich auch einmal auf dieser Website in der Modellhistorie umschauen.

 

Ersatzteilversorgung und -preise

Um es auf den Punkt zu bringen, die Ersatzteilversorgung ist für einige Baugruppen leider bescheiden! Alfa Romeo macht es sich leicht und beruft sich auf die FIA, die es erlaubt den Ersatzteilvertrieb 10 Jahre nach dem Auslaufen der Modellreihe einzustellen. Die meisten Alfa Romeo-Händler haben auch keinerlei Interesse sich um die verblieben, winzigen Teile-Reste in Italien zu kümmern. In Zeiten rascher Modellwechsel bei akutellen Fahrzeugen und einer immer größer werdenden VIelfalt an Varianten und Ausstattungen bleibt in den Lägern vieler Anbieter einfach auch kein Platz mehr sich nur in kleinen Mengen verkaufenden "alte Kram" weiter einzulagern. Im Gegensatz zu den viel beliebteren Modellen der Baureihe 105 (Giulia / Bertone / Spider) gibt es auch keine Händler oder Werkstätten, die sich auf die Boxer unter den Alfas spezialisiert haben oder Teile reproduzieren.

Leider sind die Teilepreise auch nicht gerade niedrig. Sie stehen oft im krassen Verhältnis zum Wert des Fahrzeuges. Ein kompletter Satz neue Scheinwerfer für einen Sprint Serie III schlägt so schnell mit ca. 280,00 EUR zu buche - vorausgesetzt man findet überhaupt welche. Scheinwerfer für den Alfasud sind noch relativ oft als Neuteile zu finden. Wer allerdings neue Abblendscheinwerfer für den Alfasud Ti ergattert hat, kann sich glücklich schätzen - sie werden ebenfalls sehr selten angeboten.

Verschleißteile wie Auspuffanlagen, Kupplungen (zumindest die 200 mm Variante), Bremsscheiben, Beläge, Bremssatteldichtsätze etc. gibt es noch. Die Tabelle weiter unten dient als Anhaltspunkt. Kupplungsgeber- und Nehmerzylinder sind mit denen des Alfa 33 identisch und auch über den freien Ersatzteilhandel erhältlich.
Bei Blechteilen wird es dann schon problematisch. Einige nachgefertigte Reparaturbleche (Radläufe, Endspitzen, Außenschweller) gibt es noch. Die Passgenauigkeit (besonders bei den Außenschwellern) lässt teilweise stark zu wünschen übrig. Generell wird bei Sprint-spezifischen Original-Blechteilen (und davon hat die Karosse des Sprint leider sehr viele) ein Aufschlag fällig. Gute Sprint-Türen und klappen sind ebenfalls sehr teuer.

Innenausstattungen (Besonders für die Serien I und II) sind ebenfalls extrem schwer aufzutreiben. Leuchten und diverse Kleinteile (mit viel Glück auch original Alfa Romeo Blechteile) tauchen aber immer wieder bei ebay im Internet auf und sind dort sogar oft als Neuteile zu haben. Es lohnt sich dort zu stöbern!

Motor- und Getriebeteile kann man vielfach vom Alfa 33 übernehmen, dessen Motoren in vielen Bereichen - sieht man einmal von den jüngeren Motoren mit Hydrostößeln ab -  identisch sind. So lässt sich zum Beispiel das nicht mehr erhältlich Thermostat des Alfasud it zwei Doppelvergasern gegen das des Alfa 33 tauschen.

Wer das große Glück hatte einen Alfasud Giardinetta in noch rettbarem Zustand zu finden, wird vor noch größere Probleme gestellt. Leider gibt es nämlich Alfasud Kombi spezifische Teile so gut wie gar nicht mehr. Eine ordentliche, nicht verkratzte Laderaumauskleidung ist genauso selten wie eine rostfreie Heckklappe.

Vielfach hilft nur noch Geduld und Ausdauer beim Suchen in den eingängigen Internet-Auktionshäusern um seltenere Teile zu finden.

 
Auspuffanlage  
Endschalldämpfer (je nach Modell) 69,00 bis 140,00 EUR
MIttelschalldämpfer ca. 69,00 EUR
Hosenrohr (je nach Modell) ca. 170,00 EUR
Zündung  
Zündverteilerkappen (je nach Modell) 9,00 - 13,00 EUR
Zündkabelsatz ca. 40,00 EUR
Verteilerkontaktsätze (je nach Modell) 6,00 - 9,00 EUR
Kondensatoren (je nach Modell) 5,80 - 9,50 EUR
Dichtungen  
kpl. Motordichtsatz (je nach Modell) 150,00 - 200,00 EUR
Zylinderkopfdichtung ca. 25,00 EUR
Kupplung  
Kupplungsnehmerzylinder2 26,99 EUR
Kupplungsgeberzylinder2 35,99 EUR
Kupplungs-Kit (dreiteilig, je nach Modell) 125,00-139,00 EUR
Fahrwerk  
1 Stoßdämpfer hinten Hersteller Monroe nicht mehr lieferbar
1 Stoßdämpferpatrone Hersteller Monroe für Federbein vorne nicht mehr lieferbar
Radlager vorne ca. 90,00 EUR
Radlagersatz hinten2 16,99 EUR
Bremsanlage  
Scheibenbremssatz vorne - je nach Modell2 63,90 - 85,90 EUR
Scheibenbremssatz hinten2 99,90 EUR
Hauptbremszylinder (Modelle mit 4 Scheibenbremsen)2 149,00 EUR
Motor und Antrieb  
Luftfilter für Modelle mit 2 Doppelvergasern ab 20,00 EUR
Zahnriemenkit (zwei Zahnriemen, zwei Spannrollen), Markenhersteller ab 90,00 EUR
Kühlsystem  
Kühler ab 90,00 EUR
Wasserpumpe ab 50,00 EUR
Sonstiges  
1 Reifen Michelin TRX 190/55 R 340 H TRX TL 81H1 267,75 EUR

Quellen:

1
Münchner Oldtimer Reifen GmbH www.oldtimer-reifen.com
2 Squadra Sportiva e.K. http://shop.alfisti.net/

Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Preise unverbindlich und ohne Gewähr!

 
 Schlussfolgerung

Alles in allem ist der Alfasud / Sprint selbst im Vergleich mit modernen Autos ein einfach zu wartendes und zu erhaltendes Auto. Abgesehen von der vorderen Bremsanlage bei Modellen mit Doppelvergaser sind alle Aggregate leicht zugänglich und einfach zu warten. Ein guter Alfasud kann noch immer ein einfach zu fahrendes Alltagsauto sein, dass nebenbei eine Menge Spaß macht. Ein bereits restauriertes Auto wird vor allem für Alfisti, die mit dem Schrauben und vor allem mit Blecharbeiten noch nicht vertraut sind, sicherlich der bessere Kauf sein. Ob ein über dem normalen Preisniveau angebotenes aber gut restauriertes Auto den Aufpreis wert ist, ist ein Rechenexempel. Die Restauration stark verschlissener und verrosteter Fahrzeuge lohnt nämlich aus rein wirtschaftlicher Sicht nicht und übersteigt den Fahrzeugwert schnell um ein Vielfaches. Viele der heute auf Alfa-Treffen gezeigten Alfasuds wurden für wesentlich mehr Geld wieder aufgebaut als sie eigentlich wert sind. Hier steckt oft eine gehörige Portion Idealismus und Herzblut in den Autos. Wer also einen wirklich guten Alfasud findet, sollte vielleicht auch in Erwägung ziehen nach dem Kauf ein Wertgutachten erstellen zu lassen um nach einem Unfall oder Diebstahl der Versicherung einen Wertbeweis vorlegen zu können.

Letztendlich werden dem erfolgreichen Restaurator seine Mühen aber immer wieder mit kleinen Erlebnissen gedankt. Fahren Sie doch mal mit einem gut gemachten (vielleicht auch etwas schneller gemachten) Alfasud zur Nürburgring-Nordschleife und stellen Sie ihn zwischen all die M3s, 911er und Carisma Evo-was-weiß-ich-nicht-wieviel! Die Leute werde sich die Augen aus dem Kopf glotzen. Schon selber erlebt.
 


Letztes Update: 3. April 2015      Created: 17. Oktober 2002

© Layout by Tim Rauen. Text by Richard Jones aus dem Englischen übersetzt und erweitert von Tim Rauen. Alle nicht weiter bezeichneten Fotos by Dietmar Kristandl, Achim Maier und Kim Schumacher.